Der Filmkünstler Kahlil Joseph aus Los Angeles wird oft in einem Atemzug mit Stars wie Kendrick Lamar, Beyoncé und FKA twigs genannt. Bekannt wurde der 36-Jährige als Regisseur von Musikvideos. Seit einigen Jahren entdeckt er jedoch die Kunstszene für sich, wo er seine Ideen möglichst uneingeschränkt umsetzen kann. Nachdem seine Werke unter anderem im New Museum of Contemporary Art in New York und der Londoner Tate Modern zu sehen waren, findet nun seine erste Einzelausstellung in Europa im Bonnefantenmuseum statt. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die schwarze Gemeinschaft und ihre Kultur.
Musik spielt in seiner Videokunst weiterhin eine große Rolle, wie zum Beispiel in Josephs bekanntester Videoinstallation „m.A.A.d.“. Es zeigt den berüchtigten L.A.-Stadtteil Compton, der als Ursprungsort des Gangster-Raps gilt. Kendrick Lamars hochgelobtes Hiphop-Album „good kid, m.A.A.d city“ dient als Soundtrack. Für Josephs Arbeit stellte der Rapper nicht nur seine Musik, sondern auch private Originalaufnahmen aus seiner Kindheit in Compton zur Verfügung. Joseph inszeniert Lamars Material und seine eigenen Aufnahmen auf einem übergroßen Doppelbildschirm: eine 15-minütige Dauerschleife aus sowohl alltäglichen als auch surrealen Szenen. Das Bild springt von einem Ort zum nächsten, ohne jegliche lineare Erzählung, sodass alles unwirklich und wie geträumt erscheint. Das ist durchaus beabsichtigt: „Träume sind eines der persönlichsten Dinge“, sagt Joseph.
Auf eine ähnliche Art und Weise funktioniert auch „Wildcat (Aunt Janet)“. Drei semitransparente Bildschirme bilden ein von der Decke hängendes Dreieck. Die Bilder stammen von einem afroamerikanischen Rodeo-Festival. Gelegentlich sieht man ein weiß gekleidetes Mädchen. Sie stellt den Geist von Aunt Janet dar, die das Festival gegründet haben soll. Mit Arbeiten wie diesen gelingt es Joseph, die Vielfalt schwarzer Subkulturen zu zeigen.

Der Titel der Ausstellung NEW SUNS wurde inspiriert durch den Satz „There is nothing new under the sun, but there are new suns“ der Schriftstellerin Octavia Butler aus einem Science-Fiction-Roman, der nie veröffentlicht wurde. Damit passt die Ausstellung in das diesjährige Leitthema „secret canon“ des Bonnefantenmuseums. „Es geht darum, Geschichten zu erzählen, die nicht dem herkömmlichen Kanon entsprechen. In diesem Fall geht es um die Geschichte der afroamerikanischen Gemeinschaft“, erklärt der künstlerische Leiter Stijn Huijts.
Ergänzt werden Josephs Installationen durch thematisch verwandte Werke anderer Künstler, die er selbst eingeladen hat. Auch zwei noch nie ausgestellte Werke von Joseph sind zu sehen: zum einen eine Erweiterung seiner Installation „m.A.A.d.“, zum anderen das neue, eigenständige Werk „The Philosopher“. NEW SUNS ist Josephs bisher größte Einzelausstellung. Seine multidimensionalen Installationen nehmen den ganzen Raum ein, sodass man als Zuschauer in die Filme eintaucht und sie wie einen Traum erlebt.
Raffaela Schaus

NEW SUNS läuft bis zum 25.03.2018 im Bonnefantenmuseum, Maastricht. Öffnungszeiten: Di-So, 11:00-17:00 Uhr

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