„Paulette“ – Eine Seniorin wird zur Drogendealerin


Foto: Kerstin Brandt

Eine Häuserwand voller Plattenbauten, eine Wohnung an der anderen, alles in einheitlichem Grau – in dieser trostlosen Umgebung tritt eine alte Dame auf den Marktplatz, auf dem die Marktschreier um Kundschaft buhlen. Die Seniorin macht jedoch direkt deutlich, dass der erste Eindruck einer gebrechlichen Frau täuscht, indem sie einem Passanten ein „Geh nach Hause, Bimbo!“ an den Kopf wirft. Auf den Mund gefallen ist sie jedenfalls nicht, und auch im Gerangel um eine zurückgelassene Stange Lauch gewinnt sie schnell die Oberhand. „Ein alter Drache“, so tuscheln die Markthändler. Wieder zuhause angekommen zeigt sich aber ein anderes Bild. Zum zehnjährigen Todestag ihres Mannes hat sie – soweit es ihre Mittel zulassen – ein kleines Festmahl zubereitet. Prägt ihr Gesicht sonst eine missmutige Miene, so ist jetzt ein trauriges Lächeln zu sehen.

Das neue Stück des Grenzlandtheaters basiert auf der gleichnamigen französischen Krimikomödie von Jérôme Enrico, Bianca Olsen, Laurie Aubanel und Cyril Rambour, die 2013 in Deutschland Kinopremiere feierte. Es erzählt die Geschichte von Paulette, einer Rentnerin, die in armen Verhältnissen in einem Pariser Banlieue lebt. Nach der Aufgabe ihres Restaurants und dem Tod ihres Mannes reicht die Rente kaum zum Leben aus. Ihre hoffnungslose Situation hat Paulette zu einer Rassistin gemacht: Denn in ihrem alten Restaurant befindet sich jetzt ein Chinese – und generell sind die Ausländer an allem schuld, findet sie. Eines Tages kommt ihr die Idee, die eigene Kasse durch den Verkauf von Haschkeksen aufzubessern. Die Drogendealer des Viertels scheinen schließlich nicht schlecht zu verdienen. Schon bald läuft das Geschäft und Paulettes Kekse werden zum Verkaufshit. Doch die ersten Schwierigkeiten folgen bereits…

Seit Mitte Dezember haben Regisseur Uwe Brandt und sein Ensemble, mit einer beeindruckenden Renate Fuhrmann in der Hauptrolle als Paulette, an der Produktion des Stückes gearbeitet. Durch zwei Drehbühnen, durch die das Geschehen „wie bei einer Spieluhr zusammenfließen soll“, so Brandt, führt uns die Geschichte an viele unterschiedliche Schauplätze. Paulette ist hierbei eine äußerst skurrile Figur, die mit ihren politisch-unkorrekten Äußerungen aneckt und für Lachen als auch für Kopfschütteln sorgt; insbesondere im Verhältnis zu ihrem farbigen Enkelsohn, den sie nach eigener Aussage nicht lieb hat, „weil du schwarz bist“. Das Stück erzählt mit einer riesigen Portion schwarzen Humors und Situationskomik von der Überwindung von sozialer Armut, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit. Bei allem Humor hat es einen ernsten Hintergrund, ohne belehrend zu wirken.

„Paulette“ wird noch bis zum 6. März im Grenzlandtheater und im Anschluss bis zum 22. März an verschiedenen Orten in der Region aufgeführt. Tickets gibt es vor Ort an der Kasse des Grenzlandtheaters, unter www.grenzlandtheater.de oder 0241 4746111.

 

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