Wer die aktuelle Ausstellung im IKOB betritt und kein Butzer-Kenner ist, wird zunächst denken, es handelte sich um zwei extrem verschiedene Künstler, die hier ausstellen.
Für seine erste Einzelausstellung in Belgien hat der deutsche Künstler zwölf seiner Werke ausgesucht: eine Retrospektive seiner Malerei, welche die Bedeutung von Chronologie hinterfragt. Zum einen besteht die Ausstellung aus bunten, dennoch düsteren Malereien, die Butzer 1999 und 2000 fertigstellte. Im Gegensatz dazu stehen seine Gemälde ab dem Jahr 2011, in denen Schwarz die Hauptrolle spielt. Zwischen den bunten und schwarzen Sequenzen befindet sich eine elf Jahre währende Zeitspanne, die der Künstler bewusst ausspart. „Wir sollen darüber nachdenken, was da passiert ist. Ich möchte, dass die Ausstellung das alles in Frage stellt, was die Besucher über Entwicklung und Chronologie denken“, erklärt Butzer. Das zeitliche Loch erschwert es zusätzlich, Butzer malerisch einzuordnen.
Die Art brut, die Naive Malerei und der Expressionismus beeinflussten seinen eigens erfundenen Stil, den Science-Fiction-Expressionismus. Statt eine klassische Kunstausbildung zu absolvieren, war der 44-Jährige Teil des Kollektivs Akademie Isotrop. Künstler brachten sich abseits der etablierten Schulen das Malen bei. Entsprechend anarchistisch ist sein Frühwerk. Butzers jüngere Werke sind dahingegen fast zwanghaft aufgeräumt. Im Gegensatz zu der Fülle in Butzers älteren Bildern erscheinen die schwarzen Bilder auf den ersten Blick besonders inhaltlos. Beim näheren Hinsehen gerät dieser Zwiespalt aber ins Straucheln. Je genauer man die bunten Werke betrachtet, umso vergeblicher sucht man nach einem konkreten Motiv. Fülle wird zu Leere.

Umgekehrt verhält es sich mit dem Spätwerk. Auf den zweiten Blick kann man in den schwarzen Bildern Dynamik erkennen – sei es durch das Zusammenspiel mit weißen und grauen Elementen oder durch Schattierungen. Solche Facetten wie Glanz oder Nuance lassen sich nicht auf Drucken oder Fotos, sondern nur auf dem Gemälde sehen.
Eine einfache Trennung zwischen Früh- und Spätwerk Butzers wäre jedoch trivial. Sein jüngstes Gemälde ist grellbunt. Butzer folgt seinen eigenen Gesetzen. Ebenso selbständig plant er seine Ausstellungen ohne Assistenten. „Das ist heutzutage ungewöhnlich. Es unterstreicht die sinnstiftende Rolle seiner Bilder und mindert somit ihre kapitalerbringende Funktion“, merkt IKOB-Direktor Frank-Thorsten Moll an.
Butzer sträubt sich gegen das Gewöhnliche. Er pendelt zwischen Extremen und relativiert die menschliche Vorstellung von Gegensätzen. Butzers Werk fordert den Betrachter auf, genau hinzusehen, und bringt die Malerei somit zurück zu ihrer Grundfunktion.

Text: Raffaela Schaus

André Butzer
noch bis 04.03.2018
IKOB – Museum für Zeitgenössische Kunst, Rotenberg 12b, 4700 Eupen
ikob.be
Öffnungszeiten: Mi-So, 13:00-18:00 Uhr

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