Knubbens Häusgen steht schon viele Jahrzehnte in Burtscheid. Das ursprüngliche Milchbüdchen hat bereits mehrfach den Besitzer gewechselt. Vor sechs Jahren hat Nazim Aras das kleine, freistehende Häuschen mit der Hausnummer null übernommen und liebevoll umgebaut. Von außen hat es der Kioskbetreiber, der eigentlich gar keiner werden wollte, von Künstler Matthes Straetmans (Lazy 65) gestalten lassen. Heute ist es wieder eine beliebte Anlaufstelle für Jung und Alt. Sogar Armin Laschet schaut hier öfters mal rein.

Wie viele Leute arbeiten im Kiosk? Gibt es feste Schichten?
Ich und drei Mitarbeiter/-innen. Ich arbeite immer abends, für die Mitarbeiterinnen ist das besser, Frauen sollten hier abends nicht alleine sein.

Welche Produkte werden am meisten verkauft?
Tabakwaren. Und am Vormittag kommen die ganzen Schüler aus der Umgebung und kaufen Süßigkeiten. Pizza läuft bei mir abends auch gut. Der Bestelldienst ist ja so teuer, da ist man schnell zehn Euro los. Ich verkaufe Tiefkühlpizza für unter drei Euro.

Würdest du gerne noch mehr Sachen anbieten? Wonach fragen Kunden noch?
Manche fragen nach Haushaltswaren, aber das führen nur die Kollegen aus Sri Lanka. Für mich lohnt sich das nicht. Was ich gerne hätte, wäre, dass ich draußen noch Tische und Stühle aufstellen darf. Der Platz neben dem Kiosk soll auch verändert werden, dann darf ich das vielleicht im Sommer. Dann verkaufe ich auch wieder Würstchen.

Was ist das teuerste Produkt und was das billigste?
Süßigkeiten für fünf bis zehn Cent und Champagner für 40 Euro die Flasche.

Welche Kunden kaufen bei dir? Ändert sich das Publikum über den Tag?
Vormittags kommen die Schüler. Tagsüber viele ältere Menschen, die sich ihre Zeitungen besorgen, und alte Damen, die rauchen und sich ihre Zigaretten holen. Mittags kommen die Handwerker zum Kaffeetrinken. Ich lege Wert auf guten, teuren Kaffee mit Biomilch, den ich günstig an die Kunden verkaufe. Abends kommen die Menschen querbeet. Alte Menschen für die Fernsehzeitung. Kunden der Kurklinik, Leute mit Heißhunger oder welche für ihr Feierabendbier.

Hat sich das Konsumverhalten in den letzten Jahren verändert?
Hier in meinem Kiosk in den letzten sechs Jahren eigentlich nicht. Aber wenn ich an den Kiosk von meinem Vater denke, oben an der Grenze zu Vaals, wo ich quasi aufgewachsen bin, dann fällt mir auf, dass sich der Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt extrem gewandelt hat. Ich war immer zum Lesen im Kiosk von meinem Vater. Süßigkeiten haben mich nicht interessiert. Ich habe die ganzen Comics gelesen, Micky Maus und Asterix und die Yps und alle Kinderzeitungen. Mein Vater hatte ein riesiges Sortiment, es gab damals noch alleine drei Anzeigenblätter in Aachen. Wir hatten Kunden, die haben für 400 Mark im Monat Zeitschriften bei uns gekauft!
Ganz oben im Regal hatte er auch Schmuddelmagazine oder den hochwertigen Hustler, der war immer eingeschweißt. Der Zeitschriftenmarkt ist ziemlich zurückgegangen. Obwohl: Bei mir kaufen die Kunden auch noch gerne Fernsehzeitungen. Ich selber benutze dafür jetzt eine App.

Was ist besonders oder typisch für Burtscheid? Magst du das Viertel?
Burtscheid ist wie eine Stadt in der Stadt. Ich kannte das Viertel gar nicht, bis ich vor sechs Jahren einen Sportkollegen nach Hause fuhr. Ich kam nach Burtscheid und fand es so idyllisch! Es war Sommer, so viele Menschen gingen spazieren. Familien mit Kindern waren unterwegs – einfach alle. Das gefiel mir sehr gut. Da sah ich das Schild „zu vermieten“ an diesem Büdchen, und obwohl ich eigentlich nie einen Kiosk aufmachen wollte, sprach ich sofort den Vermieter an. Ich finde es sehr angenehm hier. Die Menschen kennen mich beim Namen, wir haben einen schönen Park vor der Tür. Meine Tochter geht jetzt auch hier in den Kindergarten.

Das ist alles so positiv. Hast du auch unfreundliche Kunden?
Das hat man doch immer. Du nicht? (lacht)

Fällt dir eine lustige oder kuriose Anekdote aus deinem Kioskalltag ein?
(Überlegt) Einer kam mal im OP-Hemd hier reingelaufen. Das war hinten offen und man hat den Popo gesehen. Der war nackt! Die Polizei hat ihn verfolgt und er ist wieder rausgelaufen. Ich weiß nicht, wie das dann ausgegangen ist. Das war merkwürdig. Und Armin Laschet ist hier Kunde. Das finde ich bemerkenswert, dass er zu mir in den Kiosk kommt. Er kauft seine Zeitungen und Zigarillos hier. Dann hatte ich noch zwei Einbrüche – das war nicht so schön.

Interview & Fotos: Birgits Franchy

 

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