Der niederländische Titel der Ausstellung „Unvollendete. Nooit gebouwd Maastricht“, die bereits im Dezember letzten Jahres im Bureau Europa in Maastricht startete, lässt in deutschen Ohren Franz Schuberts Sinfonie in h-Moll, auch die Unvollendete genannt, anklingen. Aber das sind nur wir Teutonen. Die Show demonstriert anhand etlicher liebevoll zusammengetragener und fachkundig kommentierter Exponate, was in Maastricht einstmals geplant, aber letztlich nicht realisiert wurde. Manches davon gelangte nur bis zum Entwurf, anderes bis zum Modell. Für einiges wurde gerade einmal das Fundament gegossen, während weniges es immerhin fast bis zur Fertigstellung brachte. Der Schwerpunkt liegt auf der Nachkriegszeit, in der bekanntlich gerade in Europa der Wiederaufbau der Städte und die Entdeckung der vermeintlichen Segnungen des Individualverkehrs eine städteplanerische Herausforderung darstellten, die ambitionierte Konzepte ins Kraut schießen ließ, welche heute utopisch anmuten. Das zumal, wenn man sich vorstellt, sie wären tatsächlich in einer historisch gewachsenen und in ihrer Ausdehnung durch geographische und politische Umstände äußerst beschränkten Stadt wie Maastricht umgesetzt worden.

Zu sehen gibt es einige atemberaubende Modelle und neben vielen Skizzen und Fotos auch sehr detaillierte Illustrationen und Renderings. Wie einige der visionären Entwürfe aus den 1960er Jahren, so schweben auch die Exponate über dem Boden, gewissermaßen in Wolkenkuckucksheim. Eine schöne Idee, die dem Thema auf subtile Art und Weise Rechnung trägt. Die gezeigten Beispiele mögen aus heutiger Sicht wie städtebauliche Kapriolen wirken. Zur Zeit ihrer Planung waren sie allerdings ernst gemeint und werden auch entsprechend gewürdigt. Nicht zuletzt, weil einiges davon – zumindest zum Teil und auch noch in jüngster Vergangenheit – umgesetzt wurde oder zumindest als Inspiration für später realisierte Projekte nachwirkte. Die Ausstellung ist deshalb so spannend, weil sie in den abgebrochenen oder nie begonnenen Versuchen der Vergangenheit nicht nur die Gründe für das Versagen sucht, sondern vor allem auch die potentiellen Chancen und Perspektiven aufspürt. Nur wenn man es auch mal so betrachtet, kann man aus Fehlschlägen eine Menge für die Zukunft lernen.

Alles in allem eine sehr vergnügliche und stellenweise äußerst humorvolle Reise durch eine architektonische Vergangenheit, die nie stattgefunden hat. Die Texte zu den Objekten stehen in Niederländisch und Englisch zur Verfügung. Wer sich in Maastricht auskennt, ist leicht im Vorteil. Nicht nur Stadtplaner und Architekten sollten nun neugierig geworden sein, sondern alle, die sich ganz allgemein für urbane Strukturen und Kulturgeschichte interessieren.

Unvollendete. Nooit gebouwd Maastricht
noch bis 02.04.2018
Bureau Europa, Timmerfabriek, Boschstraat 9, 6211 AS Maastricht | bureau-europa.nl
Öffnungszeiten: Mi-So, 12:00-17:00 Uhr

 

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