LIEBE BIGGI! Nun möchtest Du wissen, wie es mir in diesem Monat ergangen ist. Das möchte ich auch gern wissen. Bzw. würde ich mich auch nicht heiraten, sagte mein Vater mal über sich selbst; also: 4heiratet bin ich immer noch nicht! Ich glotzte Fotos im Netz an und blieb nicht nur auf www.Punkfoto.de, sondern auch auf Romy Schneider hängen: Ich dachte mal, dass ich so schön wie Sissi alias Romy sei und doch wurde sie nur 43, 45 oder so, wie 1 Kerze, die an beiden Enden brennt – ist sie 4glüht …, so jung und drall und die Augen voller Neugier und Hoffnung, später dann: 1 gebrochene Frau, rauchend auf dem Bett, die Augengegend geschwollen, die Augen tot: Oh Gott, geht es uns allen so? Ich lenkte mich ab und fuhr zum Friseur. Im Wartesessel dann, indem ich in Zeitschriften über die Grimaldifamilie las: Kam 1 Frau herein, wie frisch aus den 80ern; zu braunen Cowboyboots trug sie Jeans, Jeansweste und Jeansjacke, alles in anderen Blauwaschungen …, sie brachte frischen 4zweifelten Schwung herein wie Patrick Swayze in D. Dancing und wollte nun ihr 4glühen stoppen, indem sie harsch befahl, ihr die langen Haare zu blondieren. Doch was war auf ihrem Kopf? Es war schon platiniert, es war 1 Masse wie Puder, es war Meeresschaum, es war Wolle – aber kein Haar mehr; auch auf gutes, ja, bestes Zureden der Friseurin wollte sie nicht hören! Dass alles komplett ausfallen könne! Sie stieg glücklich in den Blondiersessel wie wohl das 1. Mal 1985 und kriegte die chemische Keule auf eigenen Wunsch voll draufgepinselt. Sie lächelte zufrieden ihr Spiegelbild an. Nach einer Zeit, trockengeföhnt, verließ sie strahlend den Salon, ihre Cowboyboots wiegten sie in Richtung Bushof und sie verschwand im Lärm und Staub der Autos auf der Jülicher Str.; ihre Augen aber glänzten! (Das Lachen der Passanten hörte sie nicht …, genau wie die Tussen, die sich mit 45 noch in Rosa kleiden und weiße Spitzenkleider anziehen; hallo, wo ist denn da die Altersangemessenheit???) (Ich guckte auf arte LIBERACE und er tat mir leid, wenigstens ähneln sich Frauen und Männer in der Angst 4 Alter und Sterben!)

Seit ich denken kann, war 1 Dose kalte Ravioli mein Lieblingsessen. Schon als Kind lauerte ich auf die gelbroten Dosen, die in der Speisekammer der Robensstr. immer 1 Not4rat bildeten; doch kochte die Haushaltshilfe bei uns stets frisch, was ich meistens 4abscheute. Das Frische schmeckt zu echt; als Kind giert man eben auf Dosen voller Salz und Glutamat …, auf Fritten, Döner, Pizza. Das Highlight der Woche war 1 Besuch der Schwimmhalle Ost und anschließender Besuch 1ner Frittenbude auf dem A.weg mitsamt der jungen Babysitterin (die wir auch in ihrer Wohnung besuchten, wo Ziertapeten abblätterten in Orange und 1 Tropeninselaufkleber in 2 m Größe das Wohnzimmer zierte; ich roch ihr ihre Pubertät an und bewunderte ihr orangegelb gestreiftes T-Shirt und ihren Hippielook. Natürlich wusste niemand, dass ich mir seit der Wiege jedes Detail merken konnte und jeden Geruch; das ist bis heute mein Geheimnis). Doch zurück zum Essen: Schon immer mundete mir sowohl Mensa- als auch Kantinen- als auch Krankenhausessen! Ich war nie 4wöhnt! Ich fand es Bombe! Immer, wenn ich es aber lobte, wurde ich von allen anderen Mitmenschen niedergeschrien. Also hielt ich den Mund. Was gibt es Besseres als mehliges, klumpiges, gratiniertes, weichgekochtes 1nerlei mit Salznachgeschmack, was??? Das ist auch 1 Geheimnis, das ich das gerne mag, auch wenn ich jetzt Flexitarier bin – aus Gesundheitsgründen! Ja, ich gebe zu: Ich habe meine Kindheit auch noch nicht 4arbeitet und hänge mit dem Kopf noch in 1975, tut mir leid, da war die Welt noch 1fach und schön, ich arbeite das alles jetzt noch ab, wo ich schon fast Uroma bin (Joke), ich komm 1fach nicht drüber hinweg, dass die Zeit 4geht (und Dinge sich ändern, das Leben ist 1 Wechselfluss, hahahaha) und wenn auch der Schatz der Erfahrungen größer wird … vielleicht hätt ich gern drauf 4zichtet.
PS. Aß grad ne Dose Kichererbsensuppe, schön salzig, breiig, klumpig, grüngräulich.
MADxxx

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