2018 jährt sich der Geburtstag von Barthold Suermondt zum zweihundertsten Mal. Das Suermondt-Ludwig-Museum nimmt dies zum Anlass, den Sammler, dem es zumindest die Hälfte seines Namens verdankt, mit einer außergewöhnlichen Ausstellung zu ehren.

Suermondt, Sohn eines Niederländers und einer Engländerin und in Utrecht geboren, war ein gesellschaftlich Begünstigter. Bereits in jungen Jahren begann seine überaus erfolgreiche Karriere als Unternehmer beim belgischen Stahlwerk Cockerill, das er 1940 übernahm und aus einer schweren wirtschaftlichen Krise heraus zu neuer Blüte führte. Er besaß in der Folge Bergwerkkonzessionen, gründete eine Privatbank und gehörte zu den Gründern der Metallurgischen Gesellschaft zu Stolberg, der späteren Stolberger Zink. Ungeachtet seiner Bedeutung als Kunstmäzen gilt es wohl auch, Barthold Suermondt als Unternehmer und als Person des öffentlichen Lebens wiederzuentdecken.

Wie er trotz der genannten Aktivitäten, mehrerer Anwesen, zweier Ehen und acht Nachkommen überhaupt Zeit für das Sammeln von Kunst fand, ist mir ein Rätsel. Zumal die Bedingungen Mitte des neunzehnten Jahrhunderts noch ganz andere waren als heute. Mangels adäquater Möglichkeiten der Abbildung durch die Fotografie, die ja quasi gerade erst erfunden worden war, war es unumgänglich, dass Suermondt persönlich zu jeder Auktion anreiste. Auch Besuche anderer Sammler, wie beispielsweise Alphonse de Rothschild in Paris, standen auf der Agenda des Connaisseurs. Und sicher hat Suermondt auch die damals noch recht spärlich gesäten städtischen und staatlichen Museen Europas regelmäßig besucht. Nicht zuletzt sammelte er nicht nur zu seinem privaten Vergnügen, sondern stellte Gemälde und Zeichnungen in erheblichem Umfang und für alle interessierten Kreise in seinem Privathaus in der Adalbertstraße 55 aus, das er eigens zu diesem Zweck aufwendig umbauen ließ. Unter anderem verfügte es über einen Saal mit Oberlicht und Seitenkabinetten. Das Haus wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bombentreffer vollständig zerstört.

Ein für die jetzige Ausstellung wichtiges Datum ist das Jahr 1874. Bedingt durch den gewonnenen Krieg gegen Frankreich von 1870/71 und die deutsche Reichsgründung breitete sich in Deutschland eine Euphorie aus, die zu waghalsigen Investitionen und einer Überhitzung der Konjunktur führte, was umgehend in einer Deflation und dem Börsenkrach des Jahres 1873, der sogenannten Gründerkrise, endete. Suermondt brauchte dringend Kapital. 1874 veräußerte er deshalb rund 300 Gemälde und etwa 400 Zeichnungen an das Kaiser-Friedrich-Museum in Berliner (heute: Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz).

Das erstandene Konvolut katapultierte Berlin umgehend in die Ränge der damals in Deutschland führenden Kunstmetropolen München und Dresden. Obwohl einige wenige der bereits verkauften Werke Aachen nie verließen und Suermondt sich nicht von seiner ganzen Sammlung getrennt hatte, war doch ein Großteil perdu. Bereits im Folgejahr tätigte Suermondt jedoch schon wieder neue Ankäufe und baute auf, was noch zu seinen Lebzeiten durch Schenkung an die Stadt Aachen zum „Gründungskapital“ des Suermondt-Ludwig-Museums wurde. Aus dem Privatbesitz in der Adalbertstraße zog die nun öffentliche Sammlung übrigens 1883 zunächst in die Alte Redoute in der Komphausbadstraße um und dann, 1901, in die ehemalige Villa Cassalette in der Wilhelmstraße, die noch heute das Museum beherbergt.

29 Gemälde nebst mehr als 22 Zeichnungen, die aus jener ersten Sammlung stammen, welche 1874 nach Berlin gelangte, kehren nun anlässlich des Jubiläums als Leihgabe für drei Monate nach Aachen zurück. Darunter Arbeiten der bekanntesten niederländischen Maler des siebzehnten Jahrhunderts wie Vermeer, Rembrandt, Jan van Eyck und Frans Hals. Ich bin versucht, es – nach der viel kleineren, aber nichtsdestotrotz grandiosen Corot-Ausstellung – einen erneuten Coup des Museums zu nennen, dass die Aachener nach rund 150 Jahren in den Genuss solch exquisiter Exponate kommen.

Selbstverständlich sprechen die genannten Meister für die Kennerschaft des Sammlers Suermondt. Nicht übersehen darf man aber, dass er zu seiner Zeit durchaus auch ein „Nischensammler“ war und mit Bedacht und hohem qualitativem Anspruch gewissermaßen in die Breite sammelte. Das macht die Sammlung zwar nicht nach monetären Gesichtspunkten wertvoller, aber dafür inhaltlich reicher. Die Auswahl der Leihgaben, ergänzt durch Bestände des Hauses, berücksichtigt diese besondere Qualität.

Zur Ausstellung erscheint ein sehr umfangreicher Katalog. Auch das soll und wird dazu beitragen, dass Barthold Suermondt, dessen Name und Importanz Gefahr liefen, fast ein wenig in Vergessenheit zu geraten, wieder in lebendige Erinnerung gerufen wird.

Gestatten, Suermondt! Sammler, Kenner, Kunstmäzen
08.03.-17.06.2018
Suermondt-Ludwig-Museum
Eröffnung: Mi, 07.03.2018, 16:00 Uhr,
Kirche St. Adalbert

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