„Ich kenne den Tod schon lange, doch jetzt kennt der Tod auch mich.“ – Nach diesem Satz wusste ich, dass ich diesen Roman nicht so schnell aus der Hand legen würde. Oft entscheidet schon der erste Satz, ob man das Buch gelangweilt zur Seite legt oder unweigerlich in den Strudel gerät und es fast in einem Atemzug zu Ende lesen muss. Benedict Wells weiß sehr genau, wie er seine Geschichten spinnen muss, um den Leser zu fesseln.
Der junge Autor (Jahrgang 1984) ist für mich eine der Entdeckungen der letzten Jahre. Nach seinem Debüt wurde er als Wunderkind gefeiert, die Zeit nannte sein zuerst erschienenes Werk „Becks letzter Sommer“ das interessanteste Debüt des Jahres. Inzwischen wurde der Roman mit Christian Ulmen verfilmt (das habe ich mir allerdings gespart).

Bereits als 19-Jähriger schrieb Wells „Spinner“, einen Roman über einen jungen Mann, der nach Berlin zieht, um Schriftsteller zu werden, aber an seiner Familiengeschichte zu scheitern droht. Wie viel autobiografischen Anteil die Geschichte hat, bleibt offen, auch Wells ging nach Berlin, um Schriftsteller zu werden, und entschied sich gegen ein Studium. Obwohl das Buch sein Erstlingswerk war, veröffentlichte er es erst nach „Becks letzter Sommer“.
In der Euregio liest er im März aus seinem vierten Werk „Vom Ende der Einsamkeit“. Es ist eine bittersüße Familiengeschichte über drei Geschwister, die ihre Eltern verloren haben und von ihrer Vergangenheit eingeholt werden – und zugleich ein großer Liebesroman.
Wells, der es lange geschafft hat, zu verheimlichen, dass er der Bruder von Ariadne von Schirach und der Cousin des Schriftstellers Ferdinand von Schirach ist, muss sich viele Vergleiche gefallen lassen. Der Tagesspiegel Berlin titelte „Der beste John-Irving-Roman, der nicht von John Irving stammt“. Mich haben die Geschichten und der Schreibstil an Wolfgang Herrndorf erinnert, den viel zu jung verstorbenen, grandiosen Autor von „Tschick“.
Bei Wells ging es mir jedenfalls wie bei Irving und auch bei Herrndorf: Nachdem ich einen Roman in den Händen hatte, musste ich alle verschlingen. Sie sind zugleich traurig, sarkastisch und erfrischend und warten mit überraschenden Wendungen auf. Verblüffend sind bei Wells die Tiefgründigkeit der Geschichten und die große Menschenkenntnis, die der Autor in so jungen Jahren schon bewiesen hat.

Foto: © Bogenberger / autorenfotos

ACHTUNG, die Lesungen wurden krankheitsbedingt abgesagt.

Lesungen in der Region:
13.03.2018, 20:00 Uhr, Bibliotheek De Domijnen, Ligne 2, Sittard
Benedict Wells + Gerda Baardman (Übersetzerin)
14.03.2018, 18:00 Uhr: Centre Céramique, Avenue Céramique 50, Maastricht
Benedict Wells + Bert Wagendorp
15.03.2018, 20:00 Uhr: Öffentliche Pfarrbibliothek Kelmis, Schulstraße 12, Kelmis
Benedict Wells

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