Japan bangt um die Zukunft des Sumo. Stand zumindest in einem liegen gelassenen Magazin im Zugabteil 2. Klasse. Und Japan ist ja immerhin auch eine Zweiklassengesellschaft. Immer weniger Landsleute wollen ihre Wampe in einen Lendenschurz drücken, hieß es. So stehen sich schon seit längerem verstärkt Hawaiianer und Mongolen gegenseitig auf den Füßen rum. Das deprimiert den Japaner natürlich. Echte Sumo-Ringer leben den Ehrenkodex der Samurai. Da ist kein Platz für Ukulele und Einglas-Brillen oder wie diese alten Lesehilfen heißen. Tja. Habe dieses Bratenwenden eh nie so richtig verstanden; also verstanden schon, nur der Sinn des Ganzen liegt mehr fern. Aber hinterfrage mal Traditionen. Nach Außen hin sehe ich immer nur zwei dicke Männer, die sich in die Backen grabschen und schubsen. Sicher steckt da noch viel mehr dahinter. Eine Philosophie. Aber Kant habe ich auch nicht restlos verstanden. Immerhin darf der Gewinner nicht jubeln und der Verlierer muss seine Niederlage klaglos hinnehmen. Ist doch schon mal was. Neu war mir, dass Sumo-Ringer zusammen „eingesperrt“ sind, in sogenannten „Sumo-Ställen“ hausen. Die Jüngeren bedienen die Älteren, und die Älteren dürfen ihren Frust an den Jüngeren auslassen. Das hört sich nicht so prickelnd an. Aber Sumo ist auch nicht der Sekt unter den Sportarten. Mehr so die Ochsenschwanzsuppe. Interessant fand ich noch die Gewichtsangaben dieser liebreizenden Schneeflöckchen. Durchschnittlich 150 kg bringt so ein Kerl auf die Waage und der schwerste Ringer wog satte 280 kg. Da war ich platt und der Verlierer gegen ihn sicherlich auch.

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