Hunderte Herzen für den Hambacher Wald: Kohleausstieg gefordert


Weit über sechshundert rot gekleidete Menschen versammelten sich am Sonntag trotz Eiseskälte am Tagebau Hambach, um erstmals das Ende einer Rodungssaison zu feiern, in der RWE nur zwei Tage im Hambacher Wald roden durfte. Mit aufgemalten roten Herzen und mit den Händen geformten Herzen drückten die Demonstrierenden ihre Freude über den vorläufigen Erhalt des Waldes aus, richteten aber auch klare Forderungen an die neue Große Koalition in Berlin und an die nordrhein-westfälische Landesregierung. Auf einem großen Banner prangte der Schriftzug „Kohleausstieg beherzt anpacken“.

„Die Bundespolitik hat über ein halbes Jahr mit Sondierungs- und Koalitionsgesprächen verloren. Nun gilt es den Kohleausstieg umso beherzter und ambitionierter anzupacken. Im Rheinischen Revier betreibt RWE die ältesten und schmutzigsten Kraftwerksblöcke, die zugleich zu den klima- und gesundheitsschädlichsten in ganz Deutschland zählen. Ebenso wie die Tagebaue müssen sie sehr bald stillgelegt werden“, fordert Antje Grothus, die direkt am Tagebau Hambach wohnt und sich bei der Initiative Buirer für Buir engagiert.

„Wir feiern heute die erste Rodungsverhinderungs-Saison seit 40 Jahren. Mit der Herz-Aktion machen wir darauf aufmerksam, wie sensationell das ist und bedanken uns bei allen, die zu diesem Erfolg beigetragen haben“, sagt Alfred Weinberg vom Bündnis gegen Braunkohle.

Bei aller Freude ist den Initiator/-innen bewusst, dass nach der Saison vor der Saison ist: „Dieser wunderbare Wald darf nicht länger der Kohleförderung geopfert werden. Die alte A4 muss die Rote Linie sein, an der die Bagger stoppen – um den Wald, aber auch das Klima zu retten“, sagt Michael Zobel, der seit vier Jahren informative Spaziergänge durch den Hambacher Wald anbietet.

Bereichert wurde die Rote-Linie Aktion durch den international bekannten Fotokünstler Horst Wackerbarth und seine Rote Couch. Seit Jahren porträtiert er in Nordrhein-Westfalen markante Menschen und Landschaften für das Projekt heimat.nrw. „Die Rote-Linien gegen Braunkohle“ -Aktionen geben Bürger/-innen auf kreative Art und Weise eine Möglichkeit ihren politischen Willen auszudrücken. Daher freue ich mich, dass auch sie nun Teil des fantastischen Projekts werden,“ sagte der am Morgen eigens aus Düsseldorf angereiste Künstler.

Hintergrund:
Die Aktion gehört zur Reihe „Rote Linie gegen Kohle“ und fand im Rahmen eines Waldspaziergangs von Michael Zobel und Eva Töller statt. Auch das Bündnis gegen Braunkohle und die Initiative Buirer für Buir hatten zu der Aktion eingeladen. Die Veranstalter/-innen wollten sich bei den vielen tausend Menschen bedanken, die sich seit Oktober 2016 immer wieder aktiv gegen die Klima-, Natur- und Heimatzerstörung durch die Braunkohle in Nordrhein-Westfalen und weltweit einsetzen.
Michael Zobel und Eva Töller haben in den vergangenen vier Jahren bereits über 12.000 Teilnehmer/-innen bei fast 150 Waldspaziergängen durch den Hambacher Wald geführt.
Im Herbst 2016 hatte die erste Rote Linie-Aktion stattgefunden. Seitdem gab es vier Rote Linie Aktionen mit über 5.200 Teilnehmer/-innen. Die Petition zur Rettung des Hambacher Waldes, die zeitgleich startete, wurde von fast 67.000 Menschen unterzeichnet.
Als großen Erfolg bezeichnen die Aktiven die mittlerweile sechs Jahre währende Waldbesetzung, die den Hambacher Forst bekannt machte und den Rodungsstopp, der in erster Linie den nicht nachlassenden juristischen Bemühungen des BUND NRW zu verdanken ist.

zurück I, Tonya
weiter Die Räuber