Rück- und Ausblicke im Musikbunker

Nach acht Jahren ist Schluss: Die Transition-Clubreihe im Musikbunker mit Fokus auf zeitgenössischem Techno wird eingestellt. Angefangen hatte es 2010 mit Shed aka René Pawlowitz, der auch unter diversen anderen Aliassen wie Wax oder Equalized Dancefloorfutter nur so aus dem Ärmel schüttelte. Es folgten weitere DJs und Residents aus dem Berghain/Panoramabar-Umfeld, die den Clubsound der späten 00er und frühen 10er Jahre entscheidend mitprägten, wie Ben Klock, Norman Nodge, Marcel Fengler und Marcel Dettmann.
Zu Beginn der Reihe erlebte Techno seit einigen Jahren bereits eine Renaissance. Klassischer Detroit Techno und Dub Techno verbanden sich mit Old School und neuen Soundmöglichkeiten digitaler Produktionstechniken. So fand dann auch dank Transition der Sound des Berliner Technotempels zwischen Kreuzberg und Friedrichshain Einzug ins Aachener „Bergscheid“ – den Musikbunker zwischen Frankenberg und Burtscheid. Viele DJs und Produzenten von Rang und Namen kamen auf ein Set im Bunker vorbei: das britische Techno-Urgestein Anthony Child aka Surgeon, der Franzose Voiski, der enigmatische Vril vom ostdeutschen Giegling-Label, Levon Vincent, Redshape, DVS1 – die Liste ist lang, und auch wenn natürlich immer noch Plätze auf dem Wunschzettel freiblieben (Aurora Halal oder Dr. Rubinstein hätten gut gepasst), so hat Transition doch bewiesen, dass es eine Genre-Klammer geben kenn, ohne stilistisch zu verarmen – im Gegenteil. Die Reihe ist nun Geschichte, denn Techno ist eben auch nicht mehr Club-Nischenkultur, sondern hat mittlerweile einen viel größeren Echoraum. Etwa mit BoilerRoom-Streams von DJ-Sessions aus den Clubs der Welt auf YouTube, die mittlerweile Millionen von Abrufen erreichen. Der Erfolg der zweiten Techno-Welle ist dann auch ironischerweise ein Grund für die Einstellung, denn die Transition-Macher rund um die Residents Markus Offermann und Thorsten Hoffmann wollen „zurück in den Untergrund und auf Stand-by“, so in der Facebook-Ankündigung zur letzten Party am 3. März.Es gibt natürlich weitere Reihen im Bunker, die sich der elektronischen Clubkultur widmen. Etwa die Bunkersessions, bei denen bereits Leute wie Roman Flügel oder Deadbeat zu Gast waren (am 13.04. spielt Einmusik). Die Basswreckage-Serie widmet sich, wie der Namen nahelegt, eher der basslastigen Seite der Clubmusik, ebenso wie der quasi Massive-Tunes-Nachfolger Oxygen. Und selbstverständlich gibt es eine Reihe von Clubabenden, die stilistisch breit aufgestellt sind wie etwa Liebemachen.
Auch bei den Konzerten gibt es in letzter Zeit Bewegung – und die Ehrung plus Preisgeld beim Spielstättenpreis 2017 wird das sicherlich weiter befeuern. Man hat nicht nur eine Schippe draufgelegt, was die Termintaktung anbetrifft, sondern sich auch bei der musikalischen Ausrichtung nochmal deutlich diversifiziert.

Hier einige Termine aus dem April-Programm: Der Italiener Fil Bo Riva (20.04.) beweist ein äußerst beeindruckendes Songwritertalent mit schwelgerisch komponierten und arrangierten Songs und rauer, kraftvoller Stimme. Die beiden Konzerte im Kölner Gebäude 9 eine Woche vorher sind bereits ausverkauft. Ätherischer EthnoLoFiShoegazer-Pop mit mädchenhafter Stimme kommt von der Portugiesin Surma (21.04.), die auf ihrem Debüt „Antwerpen“ ein wenig an Coco Rosie erinnert. Auf Tour ist sie zusammen unterwegs mit dem Bochumer Frère und seinem gitarrenlastigen Singer/Songwriter-Folk. Bei den spanischen Rumba de Bodas (22.04.) wird es dann deutlich partykompatibler. Die achtköpfige Latin-/Swing-/Bigband-Combo mixt südamerikanische Sounds, Balkan- und Ska-Einflüsse zu einem süffigen Cocktail, serviert mit einem Schuss „Carnival Jazzines“. Die „Queer Black Diva“ Mhysa (29.04.) wiederum reizt mit ihrem 2017er-Album „fantasii“, das bereits bei boomkat, The Quietus und Pitchfork Bestnoten erhielt, die Grenzen von RnB/HipHop mit experimentellen Soundcollagen und zerbrechlicher Stimme aus.
Vielfalt galore also hinter den altehrwürdigen Betonmauern im Frankenberger Viertel.
(Text: mj | Fotos: BF)

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