D/F 2018 | Regie: Christian Petzold. Darsteller: Franz Rogowski, Paula Beer, Godehard Giese, 101 Min., Start: 05.04.
Ein Café in Paris. Eine flüchtige Begegnung. Georg (Franz Rogowski) bekommt den Auftrag, einen Brief abzuliefern. Seine Belohnung: ein Platz im Auto nach Marseille. Er muss die Stadt verlassen. Überall wimmelt es von Polizei. Die Faschisten haben die Metropole eingenommen. Die Hafenstadt ist sein letzter Ausweg. Doch der Empfänger des Briefes ist tot. Bei dem Schriftsteller findet er einen Brief des mexikanischen Konsulats, das ihm einen Pass und eine Passage nach Amerika verspricht. Da ist auch noch ein Brief von der Frau des Toten, die er in Marseille treffen soll. Georg schlüpft in die Rolle des Mannes und tritt die Reise gen Süden an. Die ständige Angst, entdeckt zu werden, begleitet ihn ebenso wie die Schuld und die moralische Verpflichtung. Dann trifft er auf Marie (Paula Beer) und seine Pläne geraten ins Wanken.

„Transit“ verwirrt vom ersten Moment an. Da ist die Rede von den Deutschen, die das Land besetzen. Den Flüchtlingen, der ständigen Bedrohung durch die Faschisten. All das vor dem Hintergrund des heutigen Frankreichs. Es ist ein cleverer Schachzug von Regisseur Christian Petzold, die Handlung von Anna Seghers Roman aus dem Dritten Reich nach heute zu übersetzen. Ein Kunstgriff, der aufgeht. Eine fremde Erzählerstimme kommentiert das Geschehen und stellt die Brücke zum Buch her. Erst am Ende schließt sich der Kreis und der Urheber der Stimme tritt in Erscheinung. Im Herzen des Films glänzt Franz Rogowski, der Shooting-Star der diesjährigen Berlinale, wo auch „Transit“ seine umjubelte Premiere feierte. Schon „Phoenix“, Petzolds letzter Film, behandelte den Holocaust, „Transit“ geht einen Schritt weiter. Das Drehbuch, das Petzold erstmals ohne Harun Farocki schrieb, der 2014 überraschend starb, ist in seinem Geiste inszeniert und dem Freund gewidmet.

Transit Trailer Deutsch German (2018)

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