Zum 150. Geburtstag von Maxim Gorki – Premiere „Sechsundzwanzig und eine“ im Theater K


Foto: TheaterK

„Ihr kleinen Sträflinge, schenkt mir Kringelchen!“. Dieser Ruf erfüllt jeden Morgen die feuchte, stickige Dunkelheit des Kellergewölbes einer russischen Bäckerei in der vorrevolutionären Zeit. Von morgens bis abends wird dort Teig geknetet und zu Kringeln geformt. Die kecke, schöne 16-Jährige Tanja, ein Stubenmädchen aus dem ersten Stock des Hauses, bringt mit ihrem täglichen Besuch etwas Sonnenschein und willkommene Abwechslung in den tristen, eintönigen Alltag der dort arbeitenden Männer – sechsundzwanzig an der Zahl. Allesamt verehren sie das junge Mädchen und lassen nichts auf sie kommen. Dennoch sind die Männer bereit sie zum Einsatz in einer riskanten Wette zu machen …
In der Inszenierung von Regisseurin Annette Schmidt wird mit zwei Zeitebenen gearbeitet. Die ehemaligen Kringelbäcker (Jochen Deuticke, Jens-Peter Fiedler, Anton Schieffer) begeben sich in Begleitung eines jungen Mannes (Norman Nowotko), der das revolutionäre Russland verkörpern soll, nach vielen Jahren zurück in die Räumlichkeiten der Bäckerei. Die auffallend wenig individualisierten Protagonisten erinnern sich dort an die damaligen miserablen Arbeitsbedingungen und an ihren Lichtblick Tanja, die ihnen damals als einzige Beachtung geschenkt hat. In ihrer Erzählung der Ereignisse bewegen die Männer sich zwischen Stolz und Scham und versuchen ihre Entscheidungen von damals erneut zu ergründen.
Die Protagonisten werden laut und heiter, es werden traurig-schöne Lieder gesungen, dann werden alle nachdenklich und bedrückt. Manche Erinnerungen werden filmisch an die Bühnenwand projiziert, sodass ein traumartiger, schemenhafter Eindruck entsteht. Die filmisch-theatrale Dramatisierung der Erzählung Gorkis bietet einen Blick auf russisches Zeitgeschehen. Es werden aus der Perspektive von Jung und Alt die Hoffnungen und Enttäuschungen nach der Revolution zum Ausdruck gebracht.

Auch wenn das Stück ein paar Längen hatte, konnten die Darsteller mit ihrer schauspielerischen Leistung überzeugen. Nicht so gut kam die Darbietung eines Zuschauers an, der in regelmäßigen Abständen einnickte und mit seinem Schnarchen immer wieder die Aufmerksamkeit seiner Sitznachbern vom Stück auf sich lenkte. Zum Schlafen sollte man vielleicht doch das eigene Bett gegenüber dem Sitzplatz eines Theaters vorziehen. Dennoch: alle anderen Zuschauer zeigten rege Begeisterung. Nach ungefähr einer Stunde und fünfzehn Minuten Spielzeit gab es von Seiten des Publikums tosenden Applaus.

Maxim Gorki – Sechsundzwanzig und Eine
Theater K
inszeniert von Annette Schmidt
Mit: Jochen Deuticke, Jens-Peter Fiedler, Norman Nowotko, und Anton Schieffer
Weitere Termine: 15.04., 20.04., 22.04., 28.04., 29.04., 01.05., 05.05., 06.05., 09.05.

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