Andy Warhol, Marlon Brando, Mary Quant, Brigitte Bardot, Twiggy, Yves Saint Laurent, Mick Jagger, Truman Capote, The Beatles – eine illustre Runde!? Absolut! Und das Beste: Wir waren mit dabei…

2018 ist das Jahr „50 Jahre danach“. 50 Jahre nach 1968, dem sinnbildlichen Jahr des neuen politischen Bewusstseins, des Umbruchs und der Revolutionen. Nicht verwunderlich ist es daher, dass ausgerechnet in diesem Jahr vermehrt der Fokus auf dem Bestreben liegt, sich erneut mit den Anfängen der damaligen Geschehnisse auseinanderzusetzen. Genau das tut das Ludwig Forum mittels der aktuellen Ausstellung „Flashes of the future“, die am 19. April eröffnet wurde. Hier geht es vorrangig um das Thema: „Wie beeinflusste/n die Kunst/Künstler der Zeit die politischen Umbrüche? Wie gingen die Menschen in ihrer Kunst mit den aufkommenden Themen der 68er-Bewegung um?“

Die 1960er- und 1970er-Jahre waren aber auch abseits der Politik atemberaubende Jahre des Ausbruchs, der Innovation und des Wandels. Das lässt sich in unzähligen Bereichen feststellen, wie in der Kunst, der Mode, der Musik – um nur einige zu nennen. Während das Ludwig Forum in Aachen bewusst diese Themen ausklammert, widmet die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, deren Namen wie der des Ludwig Forums auf die Sammlung von Peter und Irene Ludwig zurückgeht, diesen Themen eine eigene Ausstellung: Unter dem energetischen Namen „SHOOT! SHOOT! SHOOT!“ werden dort überwiegend schwarz-weiße Fotografien aus der Schweizer Nicola Erni-Collection gezeigt. Diese illustrieren auf beeindruckende und sehr überzeugende Weise die Provokationslust und die kreative Energie einer Epoche, die vor Ikonen und auch ikonischer Fotografien nur so strotzt.
Dabei handelt es sich um eine ähnliche Schau, wie bereits im Münchner Stadtmuseum – auch dort wurden die Werke, die sich im Besitz der Sammlerin Erni befinden, auf kontrastreichen Wänden präsentiert und luden zum Eintauchen in die fantastische Welt der großen Stars und vor allem zum Bewundern der ganz großen Fotografen ein.
Wer einen gewissen Bezug zur Popkultur der letzten fünf bis sechs Jahrzehnte hat, wird einige bekannte Gesichter und Namen antreffen. Ob im regen Treiben der Silver Factory von Andy Warhol, bei Parties im Studio 54, bei legendären Shoots, die Fotografie- und Modegeschichte geschrieben haben – die Kamera ist immer dabei, und mit ihr die Menschen am Auslöser; „Shoot! Shoot! Shoot!“ wird zum Programm. Immer weiter, immer schneller, immer schriller.
Diane Arbus, Annie Leibovitz, Robert Mapplethorpe, Dennis Hopper, Will McBride, Richard Avedon, Helmut Newton, Irving Penn: Sie alle haben die Ästhetik ganzer Generationen geprägt und ihre Werke werden nun zurecht akkurat angeordnet, elegant schwarz gerahmt und auf bunten Wänden präsentiert. Hierbei hängen dokumentarische Arbeiten beeindruckend hartnäckiger Paparazzi (legendär das Foto von Marlon Brando und dem Paparazzo Ron Galella, der sich ihm aus gutem Grund nur im Helm nähert) neben aufwendig inszenierten Studiowerken, wie beispielsweise Irving Penns ikonischem Portrait von Truman Capote. Klar strukturierte, grafisch wirkende Close-ups treffen auf wahrhaftige „Wimmelbilder“, deren Informationsdichte man erst nach und nach erfasst. Dabei sorgen viele Kurzerklärungen und kleinere Artikel an den Wänden, sowie Kurzführer und eine Broschüre zur Ausstellung für den Durchblick: Warum wurde das legendäre Foto des splitternackten Yves Saint Laurent erst so lange nach dessen Entstehung weltberühmt? Weil sich niemand traute, es abzudrucken. Wieso gibt es eine Fotoserie von den Beatles, wie sie gerade eine Kissenschlacht austragen? Nun, wäre es nach John Lennon gegangen, dann wären diese Fotos weitaus seriöser geworden…
Der Betrachter kann sich der Macht des Bildes inmitten der silbernen, goldenen, violetten und türkisen Wände kaum entziehen, und warum sollte er auch? Zu spannend ist die Reise in eine Zeit, in der noch hinter jedem Bild eine fantastische Geschichte zu stecken scheint und Selbstdarstellung und Kunstschaffen fließend ineinander übergehen.

Fotografinnen und Fotografen der Ausstellung:

Diane Arbus, Eve Arnold, Richard Avedon, David Bailey, Harry Benson, Werner Bokelberg, Giancarlo Botti, Michael Cooper, Elliott Erwitt, Nat Finkelstein, Luc Fournol, Ron Galella, Ellen Graham, Dennis Hopper, David Hurn, William Klein, Barry Lategan, Annie Leibovitz, Patrick Lichfield, Christopher Makos, Gered Mankowitz, Robert Mapplethorpe, Will McBride, Fred McDarrah, David Montgomery, Billy Name, Lino Nanni, Arnold Newman, Helmut Newton, Terry O´Neill, Irving Penn, Anton Perich, Willy Rizzo, Franco Rubartelli, Francesco Scavullo, Steve Schapiro, Jerry Schatzberg, Paul Schmulbach, Jeanloup Sieff, Christian Skrein, Melvin Sokolsky, Bert Stern, Eric Swayne, Dominique Tarlé, Andy Warhol, Garry Winogrand

Die Ausstellung hat bereits im Januar eröffnet und ist noch bis 27. Mai 2018 zu sehen, weitere Infos auf der Seite der Ludwiggalerie.

zurück doc/fest hinter Gittern – Kinobesuch hinter Sicherheitsschleuse und mit ohne Smartphone
weiter Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus