Dem einen oder anderen Leser fällt beim Überfliegen der Überschrift auf: Gab es nicht bereits letztes Jahr ein Jubiläum? Hat sich da vielleicht jemand verrechnet? Diese Frage ist berechtigt, allerdings liegt die Antwort nahe, wenn man die Entstehungsgeschichte des AZ Aachen kennt – denn das befand sich nicht immer im Bunker in der Hackländerstraße.

Im Zuge diverser Hausbesetzungen in den frühen 90er Jahren wird unter anderem das Haus Nummer 55 in der Kasinostraße zum neuen sozialen Zentrum erklärt. Dort finden Konzerte und Treffen statt, das erste Autonome Zentrum Aachens wird somit um 1991 geboren. Die Freude über die Einrichtung hält nicht lange an, denn nach einigen Monaten lässt die Stadt das Gebäude wieder räumen – und stellt als Ersatz den Bunker in der Hackländerstraße 5 zur Verfügung. Auf Grundlage eines Nutzungsvertrages, der bis heute besteht, wird es dort ab 1993 möglich, Kultur- oder Wohnprojekte zu verwirklichen. Dabei war nicht von Anfang an klar, in welche Richtung es gehen soll: Stehen kulturelle Projekte im Vordergrund? Oder eher Wohnraum? Nach diversen Diskussionen und entsprechenden Umbaumaßnahmen nimmt das AZ immer mehr Gestalt an, und es kristallisiert sich ein Konzept zwischen politischem Freiraum und Veranstaltungsort heraus. Dabei stets im Vordergrund: Autonomie. Es soll kein Gewinn erzielt werden, also niemals mehr verdient werden, als zum Begleichen diverser Rechnungen benötigt wird. Sämtliche Mitarbeiter arbeiten seit jeher ehrenamtlich, und es finden regelmäßig Soli-Veranstaltungen statt, um soziale und politische Projekte zu unterstützen.
Unter anderem an den Beispielen Hamburg und Köln ist zu sehen, dass es für autonome Zentren nicht unbedingt leichter wird, sich zu behaupten und ihre Existenz zu sichern. So gab es noch zuletzt nach den Ausschreitungen zum G20-Gipfel in Hamburg scharfe Kritik und den Ruf nach Schließung der Roten Flora seitens der CDU. Auch die Nutzer des bisherigen AZ-Gebäudes in Köln werden mit ihrem 2018 auslaufenden Nutzungsvertrag konfrontiert und konnten sich bislang nicht mit der Stadt auf eine Lösung einigen, die den Bestand garantiert. Die Stadt Aachen hat ebenfalls lediglich eine Duldung für die Nutzung des ehemaligen Luftschutzbunkers ausgesprochen, was letztlich bedeutet, dass es auch hier keine gesicherte Bestandsgarantie gibt.
Daher gibt es in diesem Jahr für das AZ ein altbekanntes Motto, das mehr denn je Gültigkeit hat: „Kein Tag ohne AZ, wir sind immer noch da!“ Unter diesem Leitspruch steht daher auch das diesjährige AZ-Fest – ein Festival, das bereits seit circa fünf Jahren im Frühjahr stattfindet und 2018 zum AZ-Jubiläum wie gewohnt auf das Zelebrieren diverser musikalischer Höhepunkte und nicht zuletzt das Gruppenerlebnis setzt. Musikalisch liegt der Fokus auf regionalen Künstlern wie der Band FUSE und dem bereits obligatorischen Theo Trickbeat aus Aachen. Außerdem gibt es Funk, Ska, Hip Hop, Blues und Rock zu hören, Veganes zu essen und Kaltes zu trinken.
AZ-Fest, 04.-06.05.2018, Hackländerstraße 5
Der Eintritt wird wie gewohnt zwischen acht und zehn Euro pro Tag liegen.

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