Das Zweiergespann Marcus Loos und Peter Niedermayr kommt aus dem Feiern nicht mehr heraus. 2017 begingen sie den 40. Geburtstag des Café Kittel, das sie 2014 übernommen haben, im Mai feiert das Last Exit, ihre andere Location, seinen 25sten. Als sie die Kneipe vor 17 Jahren übernommen haben, hatten sie sich eigentlich gerade geschworen, sich nur noch auf ihr Studium zu konzentrieren. Aber wie meistens ist es anders gekommen. Mit uns haben sie über das Kneipenleben und die Veränderungen in den letzten 20 Jahren gesprochen und ihre Pläne für das Jubiläum vorgestellt.

Bloß nicht kellnern beim Studium, das geht immer schief! Mit dieser Weisheit im Kopf hatte Peter Niedermayr sein Maschinenbaustudium in Aachen angetreten. Natürlich hat er dann doch angefangen zu kellnern – im Last Exit. Marcus Loos arbeitete schon Ende der 80er Jahre im Café Kittel, das ebenso wie das Last Exit von Peter Widdra geführt wurde. Als dieser gemeinsam mit drei Kumpanen vier Läden betrieb, wurde es zu viel, das Last Exit musste abgestoßen werden.
Marcus Loos kam gerade aus einem Urlaub zurück, in dem er beschlossen hatte, sich nur noch seinem Studium zu widmen, als Widdra mit der Idee an ihn herantrat, den Laden zu übernehmen. Loos und Niedermayr überlegten, gemeinsam das Wagnis einzugehen, auch wenn Niedermayr seiner Mutter versprechen musste, auf jeden Fall sein Studium zu beenden. Geld von der Bank gab es für so ein Vorhaben nicht. Von Freunden, Verwandten und Bekannten liehen sie sich einen Kredit für den Laden zusammen und starteten „ziemlich naiv“, wie sie heute lachend zugeben. Das mit dem Studium klappte natürlich nicht mehr, und in den ersten Jahren lebten und arbeiteten sie ziemlich in den Tag hinein. Erst nach rund drei Jahren klopfte das Finanzamt an, und sie wurden unsanft darauf hingewiesen, dass Kassenbücher zu führen und Steuern einzureichen seien. „Aber wir haben immer die Kurve gekriegt“, resümieren sie und witzeln, dass ihre gute Geschäftsbeziehung nun schon länger halte als manche Ehe.
Und als funktionierendes Team trauten sie sich auch zu, 2014 von Widdra noch das Café Kittel zu übernehmen, als dieser in den Ruhestand gehen wollte.

„Zwei Bier und ein Ingwertee“

Das Last Exit beschreibt Peter Niedermayr als „solide, keine Ballerbude“. Hier wird gefrühstückt, Kaffee getrunken, und hier werden Kleinigkeiten gegessen. Die Gästeschar ist bunt gemischt: Familien und Anwohner, Jung und Alt, Theaterleute aus dem gegenüberliegenden Mörgens ebenso wie Patienten des Alexianer-Krankenhauses und Designstudenten der FH am Boxgraben.
Die Anfangszeiten der Kneipe kennen weder Loos noch Niedermayr persönlich. Früher hieß sie Kitsch, dann Omas Schnapshaus und sie lag damals in einem „schlimmen Viertel mit Gangsteraction“. Direkt nebenan war die Null. Und die Kölschkneipe gegenüber, betrieben vom Ehepaar Zorn, kennt Marcus Loos noch, aber auch sie hat inzwischen zu wie die meisten reinen Eckkneipen im Viertel. Das Last Exit profitiert vor allem auch von seiner Terrasse vor der Tür, wo im Sommer den ganzen Tag Betrieb ist.
Der Unterhalt einer Kneipe, die nur vom Alkoholumsatz lebt, ist schwieriger geworden. So viel ausgehen und trinken sei heute nicht mehr angesagt, bringt Niedermayr die Veränderungen der letzten 20 Jahre auf den Punkt. Früher habe man auch in der Woche immer bis 02:30 Uhr am Tresen gestanden, heute gingen die Gäste um 23:30 Uhr nach Hause. Er erlebe sie als nüchterner und zielorientierter. Auf jedem Deckel habe man früher sechs große Bier gehabt. „Heute sind es zwei – und ein Ingwertee.“ Wenn er früher von nach der Arbeit nach Hause ging, habe er Alkoholleichen gesehen. „Heute sehe ich die Leute nachts joggen.“

Für ihr Jubiläumsfest haben sich die beiden jedenfalls einiges einfallen lassen, was ihr buntgemischtes Publikum ansprechen sollte. Los geht es am 12. Mai schon um 10:00 Uhr im und um das Last Exit in der Krakaustraße, gefeiert wird bis in die Nacht. Der Hof des Mörgens wird in die Feierlichkeiten integriert. Dort gibt es einen Kindersachenflohmarkt und es wird gegrillt. Abends wird im Mörgens das Stück „Android Ergo Sum“ gespielt, danach legen DJs auf, u. a. Chris Brid. Die Last-Exit-Crew freut sich auf viele Besucher und hofft, dass auch viele ehemalige Mitarbeiter und Gäste mit von der Partie sind und dann ins Exit kommen. Dieses sei dann „das Seniorenheim für die älteren Semester“, scherzt Marcus Loos.

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