Premiere „mensch maschine“

Wie realistisch sind Maschinen, die Emotionen wahrnehmen können? Oder die Transplantation eines menschlichen Gehirns? Auch wenn diese Gedanken zunächst noch weit hergeholt und absurd scheinen, so entwickeln sich Medizin und Technik rasant. „Wir befinden uns in einer Umbruchszeit“, so Oliver Held, Dramaturg am Theater Aachen. „Es besteht heutzutage eine Faszination, sich in Maschinenwesen zu verwandeln und sich zu optimieren.“ Und obschon wir noch weit davon entfernt sind, die komplette Wahrnehmung virtuell simulieren zu können, so sind Ansätze davon z. B. bei der Steuerung von Prothesen bereits Realität geworden.

Beginnend mit den ersten Überlegungen rund ein Jahr im Vorfeld über die Bauprobe des Bühnenbilds im Januar bis zur Premiere am 18. Mai – hinter dem Team von „mensch maschine“ liegen spannende, arbeitsreiche Wochen. Das Stück bildet parallel zu „Android Ergo Sum“ und im Anschluss an die Veranstaltungsreihe „Von Menschen und Maschinen“, welche das Theater Aachen in Zusammenarbeit mit der RWTH veranstaltet hat, den letzten fiktionalen Baustein einer Reihe rund um Digitalisierung und Virtualität.
„mensch maschine“ erzählt die Geschichte eines medizinisch-philosophischen Experiments. Vier Wissenschaftler entführen einen Probanden, entnehmen ihm sein Gehirn und schließen es an eine Maschine an, die seine Wahrnehmung fortan simuliert. Hiervon bekommt die Versuchsperson namens „er“ – gespielt von Benedikt Voellmy – zunächst nichts mit. „Er lebt ein virtuelles Leben und merkt erst gar nicht, dass er eigentlich nur noch Gehirn ist“, so Regisseurin Marion Schneider-Bast. Doch auf die erfolgreiche Operation folgen schon bald die ersten Schwierigkeiten. Beispielsweise schmeckt der Kaffee auf einmal nicht mehr so gut wie gewohnt, der Hund „stürzt ab“ und auch der Kuss hat sich am Vortag irgendwie leidenschaftlicher angefühlt. Während die Wissenschaftler über die Schwierigkeit diskutieren, Sinneseindrücke wie Geschmack in ihrer Komplexität zu programmieren, beginnt „er“ zunehmend, an der eigenen Wahrnehmung zu zweifeln, und glaubt zu träumen.
Das Stück stammt aus der Feder von Autor und Schauspieldramaturg Konstantin Küspert und wurde 2013 in Regensburg uraufgeführt. Im Scheitern des Experiments steckt eine Menge Komik, im Kern ist die Thematik aber auf abgedrehte Weise tragisch und regt zum Nachdenken an. Es werden aktuelle Aspekte bezüglich der Verbindung von Mensch und Maschine, der wissenschaftlichen Ethik sowie der Grenzen der Technologisierung aufgeworfen. Letztlich bleibt die Frage offen, wie viel Realität im Theaterstück steckt. „Das Thema ist ausgesprochen virulent“, findet Oliver Held. „Die Entwicklung hat gerade erst angefangen. Ich halte viele Zukunftsszenarien in Büchern und Filmen für durchaus realistisch – auch wenn vielleicht nicht in den nächsten zehn Jahren. Daher ist es so spannend, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.“
„mensch maschine“ wird noch bis zum 4. Juli in der Kammer im Theater Aachen aufgeführt. Weitere Infos und Tickets gibt es unter theateraachen.de und an allen bekannten VVK-Stellen.

Foto: Marie Luise Manthei

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