Da es ja einige Leute gibt, die Spinnen nicht sonderlich mögen, ist die Verwendung der Tierchen im Horrorfilm keine große Überraschung. Außer in Monsterfilmen wie Jack Arnolds zeitlosem Klassiker „Tarantula“ und denen zahlreicher Epigonen wurde das Motiv aber zuweilen auch in reichlich bizarren Ableitungen verwendet – hier drei Beispiele aus dem europäischen fantastischen Kino.

In „LʼAraignée dʼeau“ (Jean-Daniel Verhaeghe, Frankreich 1971) wird ein Insektenforscher bei einem Spaziergang auf eine Wasserspinne aufmerksam, die ihn so fasziniert, dass er sie mit nach Hause nimmt. Dort wächst sie nicht nur erheblich und braucht bald ein eigenes Zimmer, sondern verwandelt sich auch noch in eine schöne junge Frau. Das erklärt vielleicht, warum die Wasserspinne seit einiger Zeit auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten steht. Der Film besticht durch eine traumähnliche Atmosphäre und es wird nie ganz klar, welche der gezeigten Geschehnisse nur in der Fantasie des Protagonisten stattgefunden haben. Ähnliches trifft auf „Zirneklis“ (Vasili Mass, Lettland 1991) zu, wenn auch mit umgedrehten Vorzeichen: Hier ist es ein junges Mädchen, das für ein Bildnis der Jungfrau Maria Modell stehen soll, bald aber feststellen muss, dass der Maler sich zuweilen in eine riesige Spinne verwandelt. Ein wundervoll merkwürdiger Film, dank des verdienstvollen Labels „Mondo Macabro“ seit diesem Jahr auch der Obskurität entrissen und auf Blu-Ray veröffentlicht.

Ebenfalls lange Zeit untergetaucht trotz eines Soundtracks der nicht eben unbekannten „Yello“ war die Jeremias-Gotthelf-Adaption „Die schwarze Spinne“ (Mark M. Rissi, Schweiz 1983). Nun ist die mit Junkies und Umweltverschmutzung in die Entstehungszeit des Films transponierte Rahmenhandlung der Biedermeier-Novelle nicht eben ohne Klischees, aber gerade derlei Zeitkolorit kann mit ein wenig Abstand auch seinen Reiz haben. Die Binnenerzählung, in der eine Bäuerin den Teufel verprellen will und dafür mit einem Fluch belegt wird, der eine Spinne aus ihrem Gesicht wachsen lässt, rockt schon ganz ordentlich. Um den Dialogen folgen zu können, sind ein wenig Schwyzerdütsch-Kenntnisse hilfreich, aber immerhin spricht der Teufel hochdeutsch.
Alex Klotz

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