Die Tankstelle am Rand urbaner Zivilisation, an amerikanischen Highways und europäischen Autobahnen, ist Sinnbild von Fortbewegung, Individualverkehr und der Ära des Öls. Als solche ist sie nicht nur ein medial-mythisch aufgeladener Ort, sondern wird vermutlich auch in nicht allzu ferner Zukunft verschwunden sein, wenn das autonome Fahren (der Begriff hat ein nicht zu unterschätzendes Ironiepotential) zusammen mit der Elektromobilität den Transport von Menschen und Gütern komplett umkrempeln wird. Bis dahin sind die schmucklosen Zweckbauten, deren hervorstechendstes Merkmal das Leuchtschild-Branding des jeweiligen Konzerns ist, Orte der Durchreise, der flüchtigen Begegnungen, der kurzen Pausen im Strom der motorisierten Bewegung. Die Tankstellen auf Leißrings Fotoarbeiten werden aus ihrem ursprünglichen geografischen Kontext herausgelöst, auf neutralen schwarzen Hintergrund montiert und stellen so wörtlich die architektonischen Strukturen und das neongrelle Color-Coding in den Vordergrund. Ikonen der Roadmovie-Kultur, ohne Straßen und ohne Darsteller.
Der Künstler, Designer und Illustrator Maik Wolfram tanzt gerne auf mehreren Hochzeiten medialer (Selbst-)Inszenierung. 2016 schuf er mit Website und Online-Shop www.Dollar-Pictures.com und den dazugehörigen 1.000 Gemälden, die einfach nur den Kaufpreis in weißer Typo auf schwarzer Leinwand zeigen, ein entwaffnend zutreffendes Statement zum Kunstmarkt im Allgemeinen und viraler Vermarktung im Speziellen. Seit 2017 arbeitet Wolfram an dem Zyklus „VISIONS“, der zwölf Ölgemälde umfassen und 2020 vollendet sein soll. In der aktuellen Doppelausstellung werden die ersten fünf Werke gezeigt.
Vanessa Leißring – Petrol Stations, Maik Wolfram – Visions, 22.04.-03.06.2018
Galerie vorn und oben, Eupen-Kettenis
vornundoben.be

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