Ich bin immer dahin 1geladen, wo ich nicht hinwill, und da, wo ich hinwill, bin ich nicht 1geladen. Schon wenn am Telefon 1 alte, greise Freundin stammelt: „Du weißt ja, ich hab bald Geburtstag!“, ist mir klar, wie der Hase läuft. (Natürlich gehe ich 1 Woche nicht an den Hörer, aber irgendwann lässt es sich nicht mehr 4meiden.) Auf die zustimmende, geflüsterte Antwort meinerseits, hoffend, dass der Kelch an mir nochmal 4beigehen möge, werde ich also mit Pauken und Trompeten zu der ab 17 Uhr in der Woche stattfindenden Birthdayparty 1geladen, unge8tet dessen, dass ich berufstätig bin und zudem mit der Floskel, dass ich für 1 „wahre“ Freundin gehalten werde, unter Druck gesetzt. (Desertieren leider unmöglich.) Müde gehe ich an den eigenen Geschenkeschrank und suche ungenutzte Weihn8sgeschenke (noch in Zellophan) von den Jahren vorher heraus, am besten Badezimmerutensilien, die relativ teuer aussehen usw.; es krampft mein Magen, bis der besagte Tag endlich leider stattfindet, und ich schleppe mich nach der Arbeit durch den Regen. Die Tür wird vom Geburtstagskind triumphierend aufgerissen, als ich meine nassgeregnete Kapuze noch vom Kopfe zerre, und es sagt: „Hast Du auch schon weiße Haare?“ Ich 4neine schüchtern, obwohl ich ja weiße Schläfen habe (die jetzt vom Kerzenlicht beleuchtet werden), und setze mich an die Kaffeetafel, wo mich 5 Greisinnen anstarren, die sich nicht bewegen; sie sagen auch nix, 1 grinst unmerklich, sie glauben aber, dass jemand in ihrem Alter 1getroffen ist. Nun erzählen alle von ihren Enkelkindern, 1 ist klüger als das andere und es geht sogar zur Musikschule, nebenbei golft es. Natürlich studieren andere Enkel schon Elektrotechnik. Während ich Interesse simuliere, erzählen 1nige von ihrem Beruf und welche Ässer sie darin noch sind/waren, alle haben alles im Griff, dazu esse ich Brokkolisuppe mit 1 1lage. Später dann Raffaello, Ferrero Rocher usw. Ich erinnere mich, dass mich mal 1 nette Dame zwang, ihr zuzuhören bei der Story, dass ihr Enkelchen schon ganz alleine telefonieren könne!!! Es ist schön, als ich in Ruhe wieder zu Hause ankomme … dann: Im Treppenhaus hing so 1 Schild an 1 Türe, das trug die Aufschrift: „Bitte Treppe putzen!“, jedoch war der Mann 3 Wochen im Hospital und dort 4(+storben), putzen konnte er also nicht mehr so gut, ich aber hätte da hingehängt: „Herzliches Beileid!“, so ist eben jeder Jeck anders und man muss ja tolerant sein. Jeder meint, er sei wichtig, sagt meine Mutter und jeder will mal drankommen im Gespräch, was andere denken und sagen, interessiert keinen; und so sind „Gespräche“ sowieso nur An1anderreihungen von Informationen, die jeder über sich selbst gibt, will man jedoch Freunde gewinnen, sollte man zumindest Interesse heucheln, denn mal ehrlich und summa summarum: Wer interessiert 1 schon??? Schön ist jedenfalls, wenn man über 40 ist, weiß man das alles und hat doch 30 Jahre gebraucht, um es herauszufinden, genauso wie man 30 Jahre gebraucht hat, um sich selbst zu finden, seine Wunschhaarfarbe zu finden und weise und ruhig zu werden; diese Ergebnisse interessieren aber auch keinen. Ich sage nur TONFALL, zumindest sollte man seine Interessen und Aussagen und Anfragen höflich formulieren; nun aber warte ich auf 1 1ladung, die mir wichtig ist, sie kommt aber nicht, aber ich will doch 1geladen werden und dann NEIN sagen dürfen; zudem: Inzwischen bekam ich doch 1 1ladung mit Bedingungen!!! „Komm doch zwischen 16 und 16 Uhr 30 ohne Partner, ohne Auto, ohne Geschenk – aber mit 40 selbstgemachten Wraps Avocadothunfischcreme – wohl in Wegwerfgeschirr!“
MAD xxx

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