L’incoronazione di Poppea

Weiterlesen

Vincent will Meer

Weiterlesen

Fortuna und Virtu können herzlich wenig gegen die Macht Amors unternehmen; mag diese noch so grausam und unmoralisch erscheinen, noch so körperlich und oberflächlich, der Sieg ist ihr sicher. Der lustvoll gewissenlose Nero begehrt die schönste Frau Roms, die holde Poppea, die ihrem grausamen Liebhaber in nichts nachsteht. Natürlich, sie begehrt ihn, genauso wie er …

105

Vincent ertrinkt. Nicht in seinem geliebten Meer, er ertrinkt in der grausamen Gleichgültigkeit seines Vaters, in dem Strudel der Medikamente gegen sein Tourette-Syndrom, er ertrinkt in der Trauer um seine tote Mutter. Aber vor allem ertrinkt er in seiner inneren Einsamkeit. Einer Einsamkeit, die er mit Marie und Alex teilt, zwei Patienten der psychiatrischen Klinik, in die ihn sein Vater, ein aufstrebender Politiker, gewissenlos abschiebt.
Zu sehen bis zum 15. Oktober 2017 im DAS DA Theater.

56

„There’s nothing I can do in my life to compensate for the fact that the world would be better without me in it,” sagte Autor Duncan Macmillan in einem Interview mit dem Guardian. Eine düstere Ansicht – betrachtet man jedoch die Menschheitsgeschichte – voll poetischer Schlichtheit. Macmillan ist aber kein Dystopie-Prediger, kein Schwarzmaler, vielmehr ein feiner Beobachter und fanatischer Rechercheur. Seine Aussagen basieren auf klimawissenschaftlichen Erkenntnissen, auf fundierter Nachforschung und Sondierung.
Im Mörgens ist im Herbst 2017 seine Komödie „Atmen“ zu sehen.

33

Nach dem ich eine gefühlte Ewigkeit das weiße Blatt auf meinem virtuellen Schreibtisch gedankenverloren angestarrt und die Spiegelung der Außenwelt sowie das Blinken des Eingabezeigers eingehend analysiert habe, sollte ich doch langsam mit der Rezension beginnen. Die Schwierigkeit ist, dieser Text darf, kann keine ordentliche Rezension werden, denn was sollten die Zuschauer erfahren, sei es auch nur einen kleinen Hinweis oder eine Warnung, wenn nicht einmal der vortragende Schauspieler weiß, was auf ihn zukommt. Wiederaufnahme: ab 01. Oktober 2017

34

Michel Houellebecq, einer der umstrittensten Autoren der Gegenwart, ist bühnentauglich geworden. Mehr noch, der provocateur par excellence – er sieht sich selbst als Bettler der Liebe – wird von Bühne zu Bühne gereicht, verstört und wühlt auf, als wäre er der Laplace’sche Dämon, ein kleiner unruhiger Geist, der in Kenntnis unserer Vergangenheit in der Lage ist, die Zukunft zu determinieren. Eine unschöne, von radikal islamischen Werten geprägte Zukunft, in der die Freiheit des Geistes nur noch als vage Erinnerung in den Köpfen der Angepassten lebt.
Wiederaufnahme im September für die Spielzeit 2017/18 im Theater Aachen

31

Michael Shermer, amerikanischer Wissenschaftshistoriker und Gründer der Skeptics Society, glaubt an die Selbsttäuschung als eine fest im Gehirn verwurzelte Überlebensfertigkeit. Die Wahrheit klingt aber auch oft wie ein schlechter Scherz. So ist es allzu menschlich, geradezu evolutionär bestimmt, eine Gewissheit, die man schwerlich akzeptieren kann, als Schabernack abzuspeichern, sich zu beruhigen und gleichzeitig eine ordentliche Dosis Dopamin freizusetzen. Tschakka!
Wiederaufnahme im September 2017!

22

Rückblende: Wir schreiben das Jahr 1938. New York erzittert unter der Angst vor einer außerirdischen Invasion. Natürlich hat die Presse wieder mal übertrieben, es gab weder Selbstmorde noch Massenpanik, der einzige bleibende Effekt der Erstausstrahlung von „Der Krieg der Welten“ war, dass Orson Welles weltberühmt wurde.
Heute sind wir abgebrüht, abgestumpft, haben zu viel gesehen und gehört, um noch an irdisches Leben zu glauben, geschweige denn an außerirdisches. Doch plötzlich mehren sich die Gerüchte um bizarre Tollwutfälle, hinter vorgehaltener Hand munkelt man von Zombies, das Klinikum Aachen verweigert jede Auskunft. Nur bei Radio Paranoia spricht man offen über die beunruhigenden Ereignisse im schönen Dreiländereck.

22

Eine Frage ist ein Wortgefüge mit einer Leerstelle, die darauf wartet, mit einer Antwort ausgefüllt zu werden. Wie weit eine Frage brisant, peinlich, intim oder belanglos ist, bestimmen die Wörter, die diese leere Stelle mit Leben und Bedeutung füllen.
Quizoola! ist im Juni und Juli 2017 in der Kammer des Theaters Aachen zu sehen.

42

30 Jahre Das Da Theater

„Entweder kommen die Menschen, weil sie uns mögen, oder sie kommen nicht, weil sie uns nicht mögen. Das ist völlig in Ordnung“, sagt Tom Hirtz, Gründer, Regisseur, Intendant und Geschäftsführer des Das Da Theaters.

32

Ein furioser Abschied des Generalmusikdirektors Kazem Abdullah! Sinnlich bis schillernd und mit viel Lässigkeit manövriert er das Orchester über die hohen Wogen dieser Straussʼschen Chimäre. In „Ariadne auf Naxos“ lässt Richard Strauss zwei Rivalen aufeinanderprallen, um sie in höchster Vollendung zu vereinen – die erhabene Opera seria und die komische, oft vulgäre buffa. Kazem Abdullah …

21

Viele Geschichten ranken sich um das Aachener Wasser, heitere und düstere, von Geheimnissen gewürzte kleine Anekdoten, die das unterirdische Kleinod der Kaiserstadt in mitunter mystische Tiefen reißen.
Die Künstler rund um das Theater K, das die Heimatlosigkeit in neue künstlerische Höhen erhob, reihen sich in die lange Liste der Barden, die das feuchte Element – nicht nur das Aachener, wohlgemerkt – seit vielen Jahrhunderten so bewundernswert beseelt lobpreise.

28

Erst sind die Lücken winzig klein, im Kopf, mit dem Auge kaum wahrnehmbar, bis sie sich schwarze Löcher gleich ausdehnen und alles Leben um einen herum verschlingen.
Wir blicken mit Entsetzen und Mitleid auf dieses langsame, aber stetige Abgleiten ins Dunkle, aus dem es kein Entkommen gibt, auf diese Krankheit, die nach Alois Alzheimer benannt wurde.

32