Meine Freundin sagt, es trinken sowieso alle und Alkohol ist bei uns Kulturgut. Dran zu +, ist 4 jeden 1 Ehre, aber niemand sagt es laut. Es wird allgemein akzeptiert und nur heimlich beweint. Meine Kneipe war das HQ. Wo ich mal 1997 hin mitgenommen wurde und es wäre 4 me in meinem Inneren nie als „Kneipe“ bezeichnet gewesen, vielmehr als „Wohnzimmer“, in dem man sich mit „seiner Familie“ trifft. Am Tresen sah ich: Menschen, die bei N8 ziemlich interessant und gut aussahen, bei Tag aber jeglichen Glanz 4loren hatten, sich dessen jedoch nie gewahr wurden. Natürlich bestellten sie Bier.

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Unser Putzfrauehepaar nahm uns in den 80ern mit in die Kleingartenkolonie, meinen Bruder und mich, da war ich 12 und schwer be1druckt von der Ordnung der Pflanzen und dem kleinen Holzhäuschen auf dem Grundstück. Es war wie 1 Heim – gemütlich und mit Öfchen, Tischen und Bänken; hier in meinem Viertel heute: Nebenan 1 Kleingartenkolonie, wo wir nur hören: Saufgelage, Partys, Schreie und Blaskapellen, drin war ich noch nie.

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ENDSTATION: Ich hatte 1 magersüchtige Freundin in der Schule, die wog später nur noch 32 Kilogramm und hatte immer Schmerzen beim Sitzen auf ihren Poknochen (blau dann) sowie lange blonde Haare auf den Armen (Endbehaarung). Die kam unterdes ins Klinikum und kriegte immer Sahne in die Magensonde rein, später hatte sie Morbus C(h)ron und der Ehemann durfte nix von der 1. Erkrankung wissen (als es rauskam, weinte sie); auch sah ich mal 1 anorektische Französin in 1 Bus kotzen (in Spanien); der Bus fuhr bergauf und sie konnte ja nur noch gelbe und weiße Galle von sich geben, das lief fein den schwarzen Plastikbodenbelag mit Rillen herunter/herab und stank bestialisch bei 40 Grad (später trocknete es an); Gottseidank esse ich zu gerne Raffaello; ja: Sucht ist auch Endstation, da sucht sich eben jeder die, die auf die persönlichen Synapsen zugeschnitten ist; meine: Lieben, Shoppen, Rauchen, Sehnsucht – grauenhaft.

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(Ich hatte 1 schweren Tag auf Arbeit gehabt, 4lacht von denen, die nicht wissen, was mein Beruf ist, ja, ach, ich mache halt was mit Kindern und hab dauernd nachmittags frei, da4 viel Kohle kassieren, Deinen Job will ich mal haben, geeignet 4 Frauen, damit sie nachmittags ihre eigenen Kinder hochziehen und chillen, backen und kochen können!!! Jesus, wie gemein ist die Gesellschaft?!)
Ich rase tumb und traurig zum Coiffeur, um meine Stimmung zu hypen, und sage zu der Frau, indem ich mein Basecap abnehme, ich wolle nicht mehr so aussehen wie 1 Antoniusstraßenwischmopp, schlimmer noch: wie 1 80-er-Jahre-Aerobictrainerin mit stumpfblonder Palme auf dem Kopf; bitte helfen Sie mir, sage ich, ich glaub, die Balayage ist schiefgegangen trotz Olaplex und Eslabondexxx (Flasche: je mind. 19 Euro) und trotz vielstündiger Gespräche, da muss man eben ehrlich sein.

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Letztens kam ich im Dunkeln nach Hause und die Parterrewohnung war hell erleuchtet, da ging so 1 Fleischklops durch die Küche: Es war meine unterste Nachbarin (ca. 65), die sich nackt dortselbst 1 Tee machte und mich außen nicht bemerkte und ich dachte daran, dass man selbst im Spiegel auch schon mal wie 1 roher Hamburger ausgesehen hatte; entsetzlich: In 1 4spiegelten Schlafzimmer glich ich mal 1em roten, nassen Haufen Fleisch und ich wusste, dass auch das Altwerden 1 größere Kunst ist als das Jung4sterben. Wenn man sich dabei so betr8et. Ich meine, inzwischen kenne ich mehr Junggestorbene als Altlebende.

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Liebe GABY, liebe BIGGI! Im HIT, wo ich mich endlich mal reintraute (Krefelderstraße), schob 1 Greis von 98 seinen Wagen schwach durch die 1gangspforte und sah traurig aus, sein Schädel schmal, seine Augen hellblau und nässend, seine Zähne groß, er aber perfekt försterlich (inclusive Rockaufschläge mit goldenen Zierknöpfen) gekleidet, man könnte meinen, 1 relativ rüstiggebliebener Herr, der für seine Lieben Vorräte kauft; zu mir hatte er auf der Straße im 4tel gelegentlich frohlockend gesagt: „Ich habe nie geraucht, getrunken, geheiratet, so wurde ich fast 100!“

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Ich wollte immer gern Friseuse/-rin werden, leider hat das Know-How nicht gereicht, so dass ich nun weiterhin gelegentlich hobbymäßig tätig werden muss. Also nee: Meine Lieblingsdame Agnes ist mir immer 1 paar Schritte 4aus; nach 4 h Sitzung komme ich dann da aus dem Salon (100 E, wenn ich genug Kohle übrig habe), frisiert, geglättet, geschnitten, geföhnt, aber ich hab das Gefühl, dass ich immer dem neuesten Trend irgendwie hinterherhinke!

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