Glörfelds Filme aus der zweiten Reihe – Todesstille

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eines meiner liebsten Filmgenres sind Hitchcock-Filme ohne Mitwirkung von Alfred Hitchcock. Brian de Palmas „Der Tod kommt zweimal“ (1984), Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ (2010) und insbesondere „Todesstille“ von Phillip Noyce (1989): Ein australisches Ehepaar unternimmt einen Segelturn durch den Pazifik, um ein traumatisches Ereignis hinter sich zu lassen – bis sie auf offener See den einzigen Überlebenden eines Schiffbruchs aufnehmen.

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Liebe Leser, können Sie sich noch an eine Zeit erinnern, in der man einen Blockbuster im Kino sehen wollte, einfach um unterhalten zu werden? Für Kinofilme gab es noch keine Teaser für Teaser-Trailer oder Expanded Trailer, die im Vorfeld von YouTubern überanalysiert wurden. Auch versuchten noch keine elaborierten Leitartikel, den Kinogänger in moralische Geiselhaft zu nehmen: Der Kauf eines Kinotickets bedeutete ausschließlich, dass man einen Film sehen wollte

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natürlich ist ein Academy Award genauso unbedeutend wie ein Golden Globe, dessen Gewinn mittlerweile nur noch Beachtung findet, weil die Presse glaubt, von diesem Prognosen für den Oscar-Anwärter ableiten zu können. Obwohl alle Preisverleihungen lächerlich sind, das Spekulieren ist doch zu schön und in Form von Steven Gätjen sichert die Verleihung auch deutscher Arbeitsplätze.
Tragisch nur, dass das Oscar-Rauschen im Vorfeld mittlerweile länger wirkt als die prämierten Filme.

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Liebe Leser, entschuldigen Sie meine Abwesenheit. Ich hatte ein paar Videokassetten zurückzubringen. Doch habe ich etwas verpasst? Sagen Sie es mir. Der Kino-Dezember kapituliert jedenfalls schon einmal vor Die letzten Jedi. Ach wäre dem nur so. Nach zwei uninspirierten Star-Wars-Filmen aus dem Hause Disney macht sich bereits ein Sättigungsgefühl wie nach fünfzehn Marvel-Filmen breit. Trotzdem wird das Publikum den Film mit Foie-Gras-Augen schlucken und nach mehr schreien, bis Kino oder Gänger platzen (voraussichtlich ab 14.12.17).

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Das einzig höchst bedenkliche an Edgar Wrights Baby Driver ist, wie aggressiv der Film mit den ausnahmslos positiven Kritikerbewertungen beworben wird. Kritiker sind auch nur Menschen, wenn auch bessere. Auch ich habe dem Film nichts entgegenzusetzen. Edgar Wright (u. a. Hot Fuzz, Scott Pilgrim) hat in seiner Rolle als Drehbuchautor noch keinen schlechten Film geschrieben. Bei jedem anderen Regisseur wäre eine Gaunerkomödie rund um ein iPod-abhängiges Milchgesicht wohl als Guy-Ritchie-Film verendet. Edgar Wright setzt sich stattdessen selbst die Krone auf.

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Es gibt derzeit einige gute Serien auf Netflix. „Better Call Saul“ und „Master of None“ zum Beispiel. Was ich damit sagen möchte, ist: Es gibt wirklich gute Serien auf Netflix. Sogar Filme. Währenddessen können Sie die Hose ausbehalten und Milch direkt aus der Tüte trinken. Sie können diesen Monat aber auch zwölf Euro dafür investieren, sich nachfolgende Filme mit den Nacho-Schmatzgeräuschen fremder Menschen untermalen zu lassen:

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Liebe Leser,
„Victoria (Virginie Efira) ist Anwältin in Paris, Ende 30, alleinerziehend, hat ein lockeres Sex-Leben und ist charmant-egozentrisch […]“, droht der deutsche Pressetext zu Victoria – Männer und andere Missgeschicke. Dabei weiß der geneigte Ächter französischer Komödien, dass es erstens nach Isabelle Huppert (zuletzt in Verhoevens „Elle“) keinen weiteren Bedarf an französischen Frauen auf und abseits der Leinwand gibt …

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Liebe Leser,
8. Acht. Fast and the Furious 8. Lassen Sie das einen kurzen Moment sacken. Längst hat die Fast-and-the-Furious-Reihe alle Bewertungsmaßstäbe hinter sich gelassen. Dachten die ersten drei Teile noch, sie seien echte Kinofilme, ist inzwischen nicht mehr klar, ob und wann zwischen Meta-Proleten-Satire und Kunstinstallation oszilliert wird:

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