Sind wir noch wir selbst? Oder schon Maschinen? – Premiere „mensch maschine“ Theater Aachen


Foto: Ludwig Koerfer

„Wir brechen in dein Haus ein. Die Tür ist auf. Wir sind drin!“ – Vier Wissenschaftler befinden sich auf einer schaurigen Mission. Ihr Ziel: Den ersten Menschen erschaffen, der seine biologische Hülle transzendieren wird und die Grenzen von Mensch und Maschine überwindet. „Wenn wir es durchziehen, ist unsere Forschung auf Jahrhunderte finanziert“, erinnern sie sich gegenseitig und starten sogleich damit, ihren unfreiwilligen Probanden auf den OP-Tisch zu befördern.

In „mensch maschine“ planen vier Wissenschaftler ein medizinisch-philosophisches Experiment, das an einen Science-Fiction-Film erinnert. In einer komplizierten Operation wollen sie das Gehirn ihres Probanden – ganz anonym als „er“ bezeichnet – extrahieren, um es anschließend an einen Computer anzuschließen. Fortan sollen jegliche Sinneseindrücke simuliert werden. Doch schon bald stellt sich heraus, dass eine solche Simulation keine einfache Sache ist, und es treten die ersten Schwierigkeiten auf. So haben sie lediglich ein Geschmackssample des Kaffees aus der Lobby verwendet und nicht damit gerechnet, dass „er“ ein wahrer Genießer guten Kaffees ist und folglich auf den „scheußlichen“ Geschmack höchst irritiert reagiert. Und dann wäre da noch „sie“, die Affäre aus dem Büro, deren Anwesenheit im Bett des Probanden sie nicht eingeplant hatten. Doch Wissenschaftler elemer hat eine Idee, wie sie das Missgeschick in eine Chance verwandeln können.

Unter Regie von Marion Schneider-Bast bringt das Theater Aachen mit „mensch maschine“ – geschrieben von Konstantin Küspert – ein Stück auf die Bühne, das brennende Fragen unseres Zeitalters aufgreift: Bis zu welchem Punkt lassen sich Mensch und Maschine verbinden? Und was macht das „Ich“ aus? Menschen werden zunehmend technologisiert, und Maschinen erscheinen uns immer menschlicher. So wirken auch die Wissenschaftler in „mensch maschine“ wie eine einzig große Maschinerie, wenn sie in einer Aneinanderreihung von OP-Kitteln und in gruseliger, monotoner Einstimmigkeit medizinischen Jargons eine Operation vornehmen, die in das Tiefste Ich des Menschen eingreift. Neben der ernsten Thematik und teils morbiden Sprache bringt die skurrile Unprofessionalität, mit der das Team an die Arbeit geht, aber auch sehr komische Szenen mit sich, die das Publikum zum Lachen bringen. Am Ende herrscht jedoch eine nachhallende Nachdenklichkeit vor. Nach der letzten Szene ist erst einmal eine befangene Stille im Raum, bevor der Applaus einsetzt.

„mensch maschine“ wird noch bis zum 13. Juli in der Kammer im Theater Aachen aufgeführt. Termine und Tickets gibt es unter www.theateraachen.de, 0241 4784-244, theaterkasse@mail.aachen.de bzw. vor Ort an der Theaterkasse.

 

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