Kiosk, Trafohäuschen und Pissoir – der älteste Kiosk der Stadt steht an der Monheimsallee

Ist es nun ein Kiosk oder ein Schmuckpavillon? Ein Stromhäuschen oder eine öffentliche Toilette? Der kleine Bau an der Monheimsallee/Ecke Krefelder Straße gibt seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten Rätsel auf. Sicher ist nur, dass er als multifunktionales Gebäude geplant war, und ja, er sieht nicht nur aus wie ein repräsentativer Pavillon, sondern war, als er 1925 gebaut wurde, Trafostation, Kiosk und Bedürfnisanstalt in einem. Damals war die Monheimsallee vermutlich weit weniger befahren als heute. Ganz zu schweigen von der Krefelder Straße, an der sich noch kein Autobahnzubringer befand und an der es bis zum Bau des alten Tivoli (1928) wohl eher beschaulich zuging. Der denkmalgeschützte Bau ist nach Ansicht der Deutschen Stiftung Denkmalschutz der letzte original erhaltene Kiosk der Stadt.
Seine Existenz verdankt er zwei Ereignissen. Zum ersten entwickelte sich das Aachener Kurleben nach dem Ersten Weltkrieg auch im Stadtteil am Lousberg. Der Pavillon bildete den südlichen städtebaulichen Endpunkt des neuen Kurbezirks an der ehemaligen Flaniermeile Monheimsallee. Zum zweiten wurde etwa zur gleichen Zeit das Aachener Stromnetz von Gleichstrom auf Drehstrom umgestellt. In diesem Zusammenhang wurde im Oktober 1925 das Umformerwerk in der Minoritenstraße in Betrieb genommen. Dieses wurde, ebenso wie der Pavillon, vom Architekten Philipp Kerz geplant.

Als Trafohäuschen fungiert der Bau noch immer. Wann genau der Betrieb als Kiosk und als Bedürfnisanstalt eingestellt wurde, ist indes nicht belegt. Jedenfalls lag der Pavillon wohl schon länger brach, bevor er ab 1989 (ein Jahr nach einer ersten Restaurierung) als Lagerraum fungierte und ab und an von Vereinen als Versammlungsort genutzt wurde. Die Rollladen sind seitdem jedenfalls faktisch dicht. Nur ganz kurz, im Juli 1995, wurde der Ort aus seinem Dornröschenschlaf gerissen. Damals wurde er für zwei Tage lang zum Ausstellungsort. Beim Event Nummer #13 des seinerzeit noch jungen Kunstvereins Mehrwert e. V. wurde eine Videovorführung von Heidi (Paul McCarthy & Mike Kelley, 1992) gegeben. Die älteren unter unseren Lesern werden sich erinnern.

2017 wurde der Pavillon erneut, unter anderem mit Mitteln der DSD, restauriert. Laut einem Bericht der Aachener Nachrichten vom 4. April des Jahres wurde das Gebäude dadurch vor dem Verfall bewahrt. Bezüglich einer neuen Nutzung laufen derzeit Gespräche mit einer Interessentengruppe.

Diese und andere Informationen stammen von der Seite denkmalschutz.de

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