Liebe Leser,
durch die Gnade der späten Geburt ist die Hochphase der Buddy-Cop-Komödien an mir vorbeigegangen. Für „Nur 48 Stunden“ (1982) war ich noch zu ungeboren, für „Lethal Weapon“ (1987) noch zu jung, sodass ich mir erst für „Lethal Weapon 4“ (1998) eine Kinokarte erwerben konnte. Ungefähr in diese frühe Phase meines Kinogänger-Lebens fiel die Erkenntnis, dass Filme auch nicht unterhalten können.

Vielleicht deswegen habe ich lange einen weiten Bogen um ungleiche Polizisten-Paarungen gemacht, und selbst heute kann ich nicht behaupten, dieser Filmsparte mehr abgewinnen zu können. Mit einer Ausnahme: Shane Blacks „Kiss Kiss Bang Bang“, jener Shane Black, der zuvor für die Drehbücher von „Lethal Weapon“ 1 und 2 verantwortlich war und hier erstmals auch die Regie übernahm. Leider mit denkbar schlechtem Timing: Die frühen 2000er waren geprägt von wehenden Ledermänteln und Teen-Comedys. Robert Downey Jr. war seinerzeit nicht der heute rekonvaleszierte Schwarm Hollywoods, der sich seine Iron-Man-Checks selbst schreibt, sondern der gerade zum achten Mal aus der Betty-Ford-Klinik entlassene Exsträfling, der dankbar für jede Rolle sein durfte, Val Kilmer dagegen hatte gerade seine bis heute andauernde Abschiedstour in die Bedeutungslosigkeit gestartet. Alles Gründe, warum dem Film an den Kinokassen kein Glück beschieden war. Zu Unrecht.

Kleinganove Harry (Robert Downey Jr.) flüchtet nach einem missglückten Einbruch in das offene Casting für eine Detektiv-Serie, bei dem ihm sein mentaler Zusammenbruch letztlich die Filmrolle beschert. Um sich besser in das Berufsfeld hineinversetzen zu können, setzen ihm die Produzenten den schwulen Privatdetektiv Gay Perry (Val Kilmer) zur Seite. Wirrwarr und Komik folgen. Der Plot nimmt bereits nach fünf Minuten so viele Wendungen, dass der Versuch weiterer Erklärungen scheitern muss. Was man aber sagen kann: Die Chemie der Hauptdarsteller ist überragend, die Pointen sind dem Zuschauer immer eine halbe Minute voraus und Filme, in denen Menschen verzweifelt versuchen, Leichname zu entsorgen, werden für mich niemals alt.
„Kiss Kiss Bang Bang“ ist u. a. streambar über Amazon Prime (ab 2,99 Euro).
Ihr Thomas Glörfeld

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