Harry Earles wurde als Kurt Fritz Schneider 1902 in Stolpen in der Sächsischen Schweiz geboren. 1916 engagierte der Manager Bert Earles den Kleinwüchsigen und nahm ihn und seine Schwester Frieda mit nach Amerika, wo sie zunächst in Wild-West-Shows als tanzende Hänsel und Gretel auftraten, bevor ihre beiden Geschwister Hilda und Elly ihnen zu Beginn der 20er Jahre in die USA folgten und sie sich dem berühmten Wanderzirkus der „Ringling Bros., Barnum & Bailey“ anschlossen.

Seinen ersten Filmauftritt hatte Harry in Tod Brownings „The Unholy Three“ 1925 als Tweedledee, der, als Säugling getarnt, zusammen mit Lon Chaney (als Großmutter getarnt) diverse Raubüberfälle und andere Verbrechen begeht. Der Film wurde 1930 erneut als Tonfilm gedreht, aber seine bekannteste Rolle hatte Harry im bis zum heutigen Tage unerreichten „Freaks“ (1932): Hier spielt er den gutmütigen Hans, den eine verführerische Trapez-Artistin nur des Geldes wegen heiratet und anschließend aus dem Weg räumen will. Damit hat sie aber nicht mit der Gemeinschaft der anderen „Freaks“ gerechnet und findet so ein unschönes Ende … Der Film wurde seinerzeit als so verstörend wahrgenommen, dass er zunächst über 20 Minuten geschnitten wurde, anschließend aber hier und dort trotzdem in den Giftschrank wanderte.
Noch bekannter ist freilich „The Wizard of Oz“ von 1939, aber hier war Harry nur einer von insgesamt 124 Kleinwüchsigen, die in der Munchkins-Sequenz zu sehen sind. Hartnäckig halten sich bislang Gerüchte, es wäre bei den Darstellern zu heftigen Besäufnissen und Sexorgien im Hotel gekommen, dies wird aber von einigen Beteiligten bestritten. Fakt ist hingegen, dass Toto, der Hund, eine höhere Gage bekam als sie.

Im Zirkus ließ sich da besseres Geld verdienen, und so wandten sich Harry und seine Geschwister bald wieder vom Filmbusiness ab, gingen in den 50er Jahren in Ruhestand und kauften sich ein gemeinsames Haus in Florida, dessen Mobiliar ihrer Körpergröße angepasst war und das teilweise auch für Besucher geöffnet war. Hier lebten sie gemeinsam bis zu ihrem Lebensende – fast schon ein Happy End.

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