Alleinunterhalter. Kaum noch gebräuchlich der Begriff, oder? So wie Bedürfnisanstalt. Oder Fräulein vom Amt. Selbst „Entertainer“ klingt mittlerweile schon reichlich verstaubt. Vielleicht aus dem Grund, dass die meisten auch schon Staub sind. Frank Sinatra, Sammy Davis Jr., Dean Martin; das Rat Pack halt. Aber auch Amiland. Deutschlands Ratten, pardon, Hasen im Stall hießen Frankenfeld, Juhnke und Carrell. Mein Jahrgang 73 bekam nur noch deren Auskleckern mit. Lang nachhallender Oberknaller war noch Heinz Erhardt. Der konnte in meinen Augen wirklich unterhalten. Ganz allein.

Heute blubbert einem der Begriff „Comedian“ entgegen. Bah! Klingt wie was aus der Dose und schmeckt meist auch so. Mit Leuten wie Ralf Schmitz oder speziell Mario Barth kann ich nun überhaupt nichts anfangen. Die sollten sich wirklich alleine unterhalten. Über sich selbst lachen können sie ja bereits.
Doch zurück zum Begriff „Alleinunterhalter“. Klingt schon ein bissl traurig. Klingt nach Einzelkind, im Extremfall auch Heimkind. Klingt nach Sommertagen allein am Fenster, nach salzigen Tränen auf Nutella-Broten und Die-eigenen-Pupse-Wegschnüffeln. „Kannst du dich nicht alleine beschäftigen?“ Eine Frage aus Kindheitstagen. Sicher jedem schon mal begegnet. Als Antwort gab es einen verschnörkelten Chewbacca, einen Plastik-Dinosaurier auf dem Turnhallendach der benachbarten Schule und Slime in der Regenrinne des elterlichen Balkons. Gelangweilte Katzen und Kinder haben viel gemeinsam. Aufmerksamkeit durch Kaputtmachen.
Wird Kaputtmachen strafbar, weil man volljährig ist, wird man Alleinunterhalter. Oft. Und ich? Was bin ich eigentlich? Schon seit Jahren suche ich eine Bezeichnung für mich. Aber „Alleinunterhalter“ auf dem Grabstein stehen zu haben, hätte schon einen besonderen Witz. Abwarten.

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