Das Show-Business ist eine eigene, seltsame Welt. Sängerinnen, Artisten, TV-Stars, Comedians, Tänzer: Wer auf der Bühne, im Fernsehen oder vor der Kamera zu Erfolg, Ruhm und einem Eintrag in Wikipedia gelangt, ist oft so schwer vorherzusagen wie die Lottozahlen. Klar ist natürlich, dass nicht nur Talent und harte Arbeit zu den Zutaten einer Karriere in Hollywood, der neuen Netflix-Serie, als Instagram-Influencerin oder wenigstens als Pausenclown der 6b in der Gesamtschule Oer-Erkenschwick gehören, sondern auch eine gute Portion Glück. Darüber hinaus ist ein Gespür für Trends, guter Geschmack und ganz essentiell das Gefühl für das richtige Timing unerlässlich, so wie beispielweise bei allen hier in der MOVIE-Redaktion.
Einige Sterne steigen dann leuchtend in den Show-Olymp auf – und können sich Champagner, ein Jaguar-Coupé, eine Segelyacht, die Villa in St. Tropez oder das Parkticket in der Aachener Innenstadt leisten. Aber was ist mit denen, denen eine solche Laufbahn nicht vergönnt ist? Wir werfen einen kleinen Blick auf einige Schicksale in der Region. Talentierte Menschen, die hoffnungsvoll begannen und doch grandios scheiterten.

Der Löwenbändiger

Eigentlich fing alles ganz gut an: Der Schuster Alois Brettschneider lernte bei einem Besuch im Kolonialwarenladen in der Aachener Hauptstraße im Jahre 1898 zufällig die junge Löwin Sana aus Deutsch-Südwestafrika kennen. Man verstand sich auf Anhieb und plante spontan eine Tanzrevue-Tournee mit beliebten Schlagern durch das Kurgebiet von Burtscheid. Nach ersten vielversprechenden Auftritten vor ausverkauften Hallen zerwarf man sich nicht nur künstlerisch, sondern auch finanziell: Sana wollte den Löwenanteil für sich. Kurz danach startete Alois noch solo einen Versuch als Elvis-Imitator, der trotz beachtlichen Talents und überzeugender Stimme nicht zuletzt daran scheiterte, dass Elvis Presley erst 37 Jahre später geboren wurde.

Der Seiltänzer

Normalerweise hatte Willi Meesters aus Simpelveld nicht viel übrig für Höhenflüge. Als Buchhalter bei der örtlichen Zeitung war er ein beschauliches Leben gewohnt. Als aber eines Tages ein Zirkus im Ort gastierte, begann er, Blut zu lecken. Besonders die Hochseilartisten hatten es ihm angetan. In seiner Freizeit übte er täglich einen neuen Trick auf dem 30 Meter langen Telefonkabel, das zwischen der Zeitung und der gegenüberliegenden Bank gespannt war. Nach einem halben Jahr staunten alle über seine virtuosen Kunststücke, selbst Reporter aus Amsterdam wurden auf ihn aufmerksam. Aber zwei Tage bevor er dem Publikum nach vielen Jahren seine anspruchsvoll choreografierte Hochseilperformance auf der Leitung von Heerlen nach Maastricht vorführen wollte, wurden die Kabelmaste abmoniert. Das WLAN hatte endgültig seinen Siegeszug angetreten.

Die Stummfilmdiva

Marlene Zwieblich aus Hückelhoven wollte immer schon singen. Als kleines Mädchen lauschte sie den Aufnahmen von Caruso und nahm früh Gesangsunterricht. Eine Laufbahn als Künstlerin schien aber doch zu gewagt. So begann sie eine Anstellung als Stenotypistin bei der Produktionsfirma „Sternenglanz“, die in den 1920er Jahren Zwischentitel für Stummfilme erstellte. Schnell wurden Kollegen auf die anmutige Marlene aufmerksam und ermutigten sie, kleine Statistenrollen zu übernehmen. 1927 spielte sie schließlich die mondäne Nachtclubsängerin im Stummfilm „Charleston und Champagner“. Aber nur die Leute am Set konnten sich an ihrem inzwischen perfekten Gesang erfreuen. Als kurze Zeit später der Tonfilm erfunden wurde, bekam sie einen Frosch im Hals, den sie erst Jahrzehnte später wieder loswerden sollte.

zurück Wochenendtipp: 10th edition of FASHIONCLASH Festival
weiter The Secret World of Foley