Hausbesetzung am Muffeter Weg – Einladung zur Aktionswoche


Der Muffeter Weg ist eine noble Adresse. Villen und Gebäude von Studentenverbindungen prägen das Bild. Direkt am Anfang der Straße steht nicht nur die unter Denkmalschutz stehende Villa Monheim, sondern ein weiteres villenähnliches ehemaliges RWTH-Gebäude leer. Die Nummer 5, mit großem angrenzendem Gewächshaus wurde gestern von Menschen aus der linken Szene besetzt. Sie plädieren für ein Recht auf Mitgestaltung der Stadt und laden alle Interessierten zu einer bunten Aktionswoche ein. RWTH und Polizei haben für diesen Zeitraum eine Duldung ausgesprochen.

Max* und Lena*, beide vielleicht Anfang 20, gehören zu den Hausbesetzern und werden von der großen Gruppe hauptsächlich junger Menschen, dazu ermächtigt, über die Pläne der Gruppe zu sprechen. Das Haus soll als offener Treffpunkt fungieren, das heißt alle sind eingeladen vorbeizukommen und mitzumachen und zwar ohne Hierarchien und ohne Diskriminierung.
Maßgeblich möchte die Gruppe mit ihrer Aktion auf die aktuellen Probleme in unserer westlichen Gesellschaft aufmerksam machen. Max nennt Gentrifizierung, den Wegfall von bezahlbarem Wohnraum, die Kommerziallisierung des öffentlichen Raumes und speziell in Aachen das Thema Nachverdichtung der Stadt, und das alles maßgeblich gesteuert von Investoren und nicht von den Bürgern der Stadt.

Die junge Auszubildende Lena gibt außerdem zu bedenken, dass in Aachen gerade für Jugendliche zu wenige frei zugängliche Jugendtreffs bestehen. Eine bunte Vielfalt sei nicht gegeben, viele junge Menschen fühlten sich mit der Pontstraße als Partymeile nicht abgeholt und würden mit Sorge beobachten, dass gerade die alternativen Angebote wie AZ oder Musikbunker immer wieder um ihre Existenz kämpfen müssten.
Positiv bewerten sie Initiativen der Bürger, die etwas Neues entstehen lassen wie den Gemeinschaftsgarten Hirschgrün oder die Skateranlage im Moltkepark. Und deshalb rufen sie mit ihrer Aktion dazu auf, die Stadt aktiv mitzugestalten. Die Aktionswoche soll dafür eine Initialzündung sein.

Eingeladen ist hier tatsächlich Jede und Jeder. Zusammen soll friedlich gegessen, gegärtnert, gespielt, Musik gemacht und über die Zukunft diskutiert werden.
Die Gruppe freut sich über das gemäßigte Auftreten der Polizei und die schnelle Klärung mit der RWTH, die einer einwöchigen Duldung zustimmte. Nachbarn und viele Menschen aus Aachen haben bisher ebenfalls freundlich und wohlwollend reagiert, viele Besucher schauten heute schon vorbei, es gab Essensspenden und sogar eine Küche wurde sofort zur Verfügung gestellt.

Damit ist die Aktion für die Hausbesetzer weitaus erfolgreicher angelaufen als die letzte Besetzung in Aachen in der Silvesternacht 2012, die mit einer Komplettsperrung der Kasinostraße und einem großen Polizeiaufgebot endete. Nach einem Tag hatten die Aktivisten das Gebäude freiwillig wieder geräumt, im Gegenzug wurde auf Strafverfolgung verzichtet.

* Namen von der Redaktion geändert

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