Es ist schon deprimierend. Das Wetter, bei dem man sich sonst nicht beklagen kann, sich nicht genügend beklagen zu können, spielt verrückt: Statt eines zuverlässigen, verregnet-kühlen Aachener Sommers haben wir seit drei Monaten fast ununterbrochen Sonne satt und Temperaturen, um die uns sogar Teneriffa beneiden würde. Selbst das CHIO ist trocken über die Bühne gegangen. Keinen Grund zum Jammern zu haben, das ist wirklich zum Heulen. Nun gut, ein paar Sachen gäbe es schon noch: Deutschland scheidet bei der WM sang- und klanglos in der Vorrunde aus, okay, aber dann wird nicht mal Belgien Weltmeister. Die Polarkappen schmelzen. Chips neigen sich rapide dem Ende zu, kaum ist die Tüte aufgerissen. Die MOVIE erscheint ab jetzt alle zwei Monate, das bedeutet nur noch sechs Intros im Jahr. Ja, das ist jetzt wirklich bitter, aber bitte … bitte, das ist doch kein Grund, gleich in Tränen … ach, es tut uns ja auch leid. Was gibt es sonst noch Trauriges zu berichten?

1. Januar 2018
Gegen 00:17 Uhr hebt Gernot Peymann missmutig seine linke Augenbraue und schaut wehmütig auf die langsam verlöschende Glut vor seinen Augen: Alles, worauf er die letzten Tage gespart hatte, wurde in kürzester Zeit ein Raub der Flammen. Er trinkt seufzend einen Schluck von seinem Piccolo, klopft sich das Konfetti vom Jackett und wirft einen letzten Blick den Couchtisch. Er schwört sich, im nächsten Jahr dann doch das Silvester-Tischfeuerwerk mit extralanger Brenndauer zu wählen.

2. Januar 2018
Der Monteur Ernst Wittlich aus Linnich entdeckt morgens an seinem neuen Audi A8 einen ca. 1,7 cm langen und etwa 0,003 mm dicken Kratzer links unten an der hinteren Stoßstange. Eine von der örtlichen Polizei umgehend eingeleitete Großfahndung nach Tätern und möglichen Hintermännern verläuft ergebnislos. Frustriert beschließt Wittlich, den Rest des Jahres Urlaub zu nehmen.

5. Februar 2018
Marie-Luise Köhler steigt um 11:23 Uhr am letzten Halt aus dem Bus der Linie 11. Sekunden später realisiert sie, dass sie die Einkaufstasche mit ihren soeben im Aquis Plaza erworbenen violetten Chucks auf dem Nachbarsitz vergessen hat. Mit schmerverzerrtem Gesicht wankt Frau Köhler nach Hause. Besonders tragisch dabei: Die Schuhe waren im Sonderangebot. Noch tragischer: Der Bus hält an der Endstation eine Viertelstunde.

21. März 2018
Die Rentnerin Marlies Lammertz gibt ihren Lottoschein wie jeden Mittwoch im Zeitschriftenladen in der Kapellenstraße ab, wie immer mit den Zahlen 7, 12, 23, 29, 31 und 43. Als Zusatzzahl nimmt sie ausnahmsweise die 9 statt ihrer Glückszahl 8. Bei der Ziehung am Samstag sind alle Zahlen richtig bis auf die Zusatzzahl: Es ist die 8. Betrübt von diesem unverzeihlichen Faux-pas entscheidet sich Frau Lammertz schweren Herzens, das Lottospielen an den Nagel zu hängen.

3. Mai 2018
Marco Albrecht schaut in seinem Büro freudig-gespannt auf das Display seines Smartphones: Es ist 09:57 Uhr. In drei Minuten wird er einen
Termin bei seinem Chef haben, der ihm am letzten Donnerstag per Mail mitgeteilt hat, er habe da eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe für ihn, die genau seinem Anforderungsprofil entspreche. Um 10:04 Uhr trottet Albrecht mit glasigen, ausdruckslosen Augen zurück zu seinem Schreibtisch. Anstelle des erwarteten halbjährigen Jobs als Leiter des IT-Projekts in Valencia mit Pool am Hotel ermutigte ihn der Chef, freitags federführend die Reinigung der Kaffeemaschine auf der Etage und die Nachbestellung der Bohnen zu übernehmen.

Diese jungen Damen beklagen am 22. Februar 2018 zu Recht bitterlich den niedrigen Ladestand ihrer Handy-Akkus beim Konzert von Andreas Martin.

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