Die ewige Geschichte der unerfüllten, der tragischen Liebe, ein Motiv, das sich durch Jahrhunderte und hunderte von literarischen wie musikalischen Werken durchschlängelt. In diesem Fall sind es Leonora de Vargas, eine junge Adelige, und Don Alvaro, ein Mestize von höherer Herkunft, die sich nicht finden dürfen. So vorhersehbar und uninspiriert die Handlung auch sein mag, Verdi schuf eine Hülle aus erlesenen Tönen drum herum, die der neue Generalmusikdirektor Christopher Ward exzellent umzusetzen vermochte. Vom leicht dahinfließenden Schicksalsmotiv, das sich schwerlich aus den Gehörgängen verbannen lässt, bis hin zu den wuchtig aufbrausenden Passagen zeigte das Orchester eine mitreißende und ausbalancierte Darbietung.

Und wiederum ewig dreht sich auch das Rad des Schicksals. In diesem Fall leider in der Manifestation des sich ununterbrochen drehenden Bühnenbildes. Nach der orgiastischen Inszenierung von „L’incoronazione di Poppea“ wirkte dieser Kunstgriff von Regisseur Jarg Pataki etwas blutleer. Die in Grau getünchten Mauern, deren Türen und Öffnungen den auftretenden Solisten das ein oder andere Problem bereiteten, sogen die extensiven Momente förmlich in sich auf, übrig blieb an vieler Stelle ein einsames Spiel vor der Wand. Wie aufwühlend und herrlich allegorisch, wenn plötzlich mit dem Auftritt des kriegerischen Rataplan-Chors die Bühne sowie Kostüme in ein grelles Gelb getaucht werden, die strahlende Farbe der Rationalität und des Optimismus. Solche Erleuchtungsmomente hätte man sich öfters gewünscht.

Dass der Auftakt der neuen Spielzeit mit Standing Ovations endete, ist vor allem der herausragenden Leistung der Solisten zu verdanken. Irina Popova brillierte als Leonora, und obwohl sie von der Regie an einigen Stellen unverzeihlich allein gelassen wurde, überzeugte sie mit einer starken Bühnenpräsenz. Nicht minder überzeugend waren ihre Kollegen. Der mexikanische Tenor Arturo Martín als Alvaro sang sich mit südländischem Feuer in das Herz Leonoras, seine dramatische Expressivität wirkte äußerst mitreißend und der leidende und hasserfüllte Don Carlo, Leonoras Bruder, war in Hrólfur Saemundssons Kehle bestens aufgehoben. Mezzosopranistin Julia Mintzer in der Rolle der Zigeunerin Preziosilla, Bariton Martijn Sanders als Fra Melitone, Bass Woong-jo Choi als Padre Guardiano und Tenor Soon-Wook Ka als Mastro Trabuco verdienen für ihre stimmliche wie darstellerische Leistung größten Respekt.

Vielleicht inszenatorisch nicht der ganz große Kracher, doch musikalisch meint das Schicksal es sehr gut mit dem Aachener Publikum.

La forza del destino
Oper von Giuseppe Verdi
Theater Aachen, Bühne
Inszenierung: Jarg Pataki, Bühne: Mathias Baudry, Kostüme: Sandra Münchow

Foto: Wil van Iersel

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