Die Pattern-and-Decoration-Bewegung war faktisch recht kurzlebig. Sie entstand etwa Mitte der 1970er Jahre in den USA und verlor in den frühen 1980er Jahren bereits wieder an Bedeutung, wiewohl ihr Einfluss auch bei zeitgenössischen Künstlerinnen wie Polly Apfelbaum, Christine Streuli oder Rashid Rana ein Echo findet (die ebenfalls in der Ausstellung mit Arbeiten vertreten sein werden). Dass hier drei weibliche Namen genannt werden, ist kein Zufall. Nicht ohne Grund wird P&D vor allem mit Künstlerinnen und darüber hinaus mit explizit feministischer Kunst in Verbindung gebracht. Denn im Gegensatz zu anderen Strömungen der Nachkriegsmoderne wurde die Bewegung in der Hauptsache tatsächlich von Künstlerinnen getragen. Gleichwohl haben auch einige Künstler (Robert Kushner, Robert Zakanitch, Kendall Shaw u. a.) viel zur Popularität und Anerkennung der Bewegung beigetragen, ohne unbedingt die feministischen Standpunkte zu übernehmen, wie etwa Carissa DiGiovanni in ihrem Essay „Sometimes the Best Feminism is No Feminism“ darlegt. Nichtsdestotrotz fußte P&D auch und vor allem auf soziologischen Ideen, die sich gegen die männliche Dominanz und den Eurozentrismus des Kunstbegriffs richteten. Insofern gewinnen zumindest die Grundsätze der Bewegung heute erneut an Relevanz.

Formal beschäftigten sich die Vertreterinnen und Vertreter von P&D mit der Rehabilitation der Ornamentik, mit der die rationalistische Sichtweise in der Kunst, propagiert durch die Minimal Art, die Farbflächenmalerei oder die Konzeptkunst, zuvor so vehement aufgeräumt hatte. Der bewussten Hinkehr zum Dekorativen, zum Folkloristischen und zum typischerweise von Frauen ausgeübten Handwerk (Nähen, Sticken) wohnte ein durchaus sozialkritischer Ansatz inne. Thematisiert wurden die Rolle der Frau in Kunst und Gesellschaft ebenso wie die Stellung der indigenen Bevölkerung und anderer ethnischer Minderheiten in den USA. Ebenso öffneten sich die Künstlerinnen und Künstler der Farben- und Formensprache ganz anderer Kulturen, wie etwa der der mexikanischen oder der islamischen.

Das Ludwig Forum verfügt über die größte öffentliche Sammlung der Pattern-and-Decoration-Bewegung im europäischen Raum. Unter anderem werden bedeutende Werke so herausragender Vertreterinnen wie Joyce Kozloff und Valerie Jaudon zu sehen sein.

Pattern and Decoration
21.09.2018 bis 13.01.2019
Eröffnung: Do, 20.09.2018, 19:00 Uhr
Ludwig Forum für Internationale Kunst

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