Dass eine leichte, herzerfrischende Komödie auch ohne (allzu viel) Klamauk gelingen kann, beweist Regisseur Stefen Herrmann mit Nicole Armbrusters Geschichte „Zur Hölle mit den anderen“. Es sollte eine ausgelassene Wiedersehensfeier von Katrin und Sandra werden – während des Studiums unzertrennlich, doch durch die windigen Gassen des Lebens getrennt –, die mit Kind und Mann, Wasserpistole und Milchpumpe eine neue Ära der vergessenen Freundschaft einläuten wollen. Wenn das Leben nur so einfach wäre!

Beziehungskiste mal ganz anders, hier treffen Freundin auf Freundin, Partner auf Partner, jeder wird demontiert und jeder demontiert sich selber. Lebenslügen und Selbsttäuschung fegen wie der Hurrikan Florence über die beiden Paare hinweg, bis die Hüllen fallen und die nackte, unschöne Wahrheit zum Vorschein kommt, die da lautet: Ich hasse dein Leben, weil ich mit meinem unzufrieden bin. Bei einem etwas wohldosierteren Remmidemmi hätte der psychologische Aspekt der Geschichte besser herausgearbeitet werden können. Doch leider geht die Tiefe und die Auseinandersetzung mit Toleranz und Akzeptanz, Sein und Schein auf der Jagd nach Lachern an manch einer Stelle verloren.
Aber Hand aufs Herz, so sehr wir Zuschauer auch immer den höheren Sinn suchen, so sehr wir selber auf der Jagd sind nach geistiger Befriedigung, dieses Stück hat die Macht, die anstrengendste Arbeitswoche alleine schon beim Anblick des herrlichen Bühnendesigns von Sandra Linde und Dorien Thomsen im Nu vergessen zu machen. Selten hat man das erwachsene und mitten im Leben stehende Publikum so herzhaft und ausgelassen lachen gehört. Kein Wunder, Luana Bellinghausen, Shari Asha Crosson, Tim Knapper und Benedikt Voellmy spielen sich förmlich die Seele aus dem Leib. Auch wenn ihr Zusammenspiel bereits bei der Premiere sehr überzeugend war, diese Inszenierung wird mit Sicherheit im Laufe der Spielzeit, wenn sie etwas geatmet hat, wie ein guter Rotwein reifen.
Tiefgang hin oder her, dieses Stück sollte man sehen.

Zur Hölle mit den anderen
Von Nicole Armbruster
Premiere: September 2018 im Theater Aachen

Theater Aachen, Kammer
Inszenierung: Stefan Herrmann, Bühne und Kostüme: Sandra Linde und Dorien Thomsen

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