Die elfjährige Tilda (Angela Ahlheim) hat einen richtig guten Draht zur ihrem Opa Amandus (Wolfgang Rommerskirchen). Er ist immer für sie da, auch wenn er manchmal was durcheinanderbringt. So beantwortet er zum Beispiel die Frage, warum seine Lebensmittel auf einmal im Bücherregal stehen, mit: „Weil in der Spülmaschine kein Platz mehr war.“ Im Das Da Theater hat Tom Hirtz den Kinoerfolg von Til Schweiger aus dem Jahr 2014 inszeniert. Leichtfüßig und humorvoll erzählt, doch auch voller tiefsinniger und berührender Momente, setzt sich „Honig im Kopf“ mit einem sozial relevanten Thema auseinander.
Tildas Opa hat Alzheimer. Der Kinderarzt hat Tilda gesagt, sie solle sich das Gehirn ihres Opas wie ein Bücherregal vorstellen. In dem Regal fällt immer wieder eines der Bücher um – mitsamt Inhalt. Manchmal wird ein Buch wieder aufgestellt, manchmal fällt es ganz aus dem Regal. Irgendwann ist das Regal leer.
Als klar wird, dass Amandus den Alltag nicht mehr alleine bestreiten kann, holt Sohn Niko (Tobias Steffen) ihn zu seiner Familie. Das bringt ordentlich Wirbel ins Haus. Tilda findet das super. Niko wiederum spielt die Krankheit seines Vaters herunter, seine Frau Sarah (Franka Engelhard) kommt an ihre nervlichen Grenzen – und das nicht nur, weil Amandus ihre High Heels zu einem Kuchen backen will. Schließlich muss auch Niko einsehen, dass es das Beste ist, seinen Vater in einem Pflegeheim anzumelden. Als Tilda das erfährt, entführt sie ihren Opa kurzerhand auf eine turbulente Reise an einen Ort, an den er sich noch in voller Klarheit erinnert: Venedig.
Das Bühnenbild greift den Prozess des Vergessens symbolisch auf. Die Decke ist anfangs hell erleuchtet. Jedes Mal, wenn Amandus ein Gedanke verloren geht, erlischt auch eines der Lichter, bis der Sternenhimmel dunkel ist. Tildas Erzählper-spektive und ihre kindliche Annäherung an die Veränderung ihres Opas nehmen den Zuschauer mit. Die Darstellung der außergewöhnlichen Beziehung zwischen Enkelin und Opa rührt zu Tränen. Im nächsten Moment muss man wieder herzlich lachen. Es ist eben nicht alles ernst und traurig in „Honig im Kopf“, das Thema Alzheimer wird mit viel Humor und Sensibilität verarbeitet und vor allem von den Darstellern überzeugend rübergebracht.

Weitere Termine: bis 28.10.18 jeweils Do, Fr, Sa, So

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