Wenn man CBS News glauben darf, war „Zazou, the Eiffel Tower’s painter“ von 1953 – ein Bild, das im renommierten TIME magazine abgedruckt wurde und damals um die Welt ging – die erste Veröffentlichung von Marc Riboud. Sein Mentor Robert Capa lud ihn daraufhin ein, Mitglied der Agentur Magnum Photos zu werden. Schon damals, sechs Jahre nach Gründung der Agentur, quasi der Ritterschlag für jeden Fotografen. Als er das Bild des Anstreichers am Eiffelturm schoss, war Riboud dreißig Jahre alt. Im Zweiten Weltkrieg hatte er in den Reihen der Résistance gestanden und nach dem Krieg ein Ingenieursstudium absolviert. Erst 1951 hatte er seine Liebe zur Fotografie entdeckt und war von Lyon nach Paris gezogen, wo er unter anderem Henri Cartier-Bresson, Robert Capa und David Seymour kennenlernte, allesamt Gründungsmitglieder von Magnum.

Als Fotojournalist bereiste der Franzose hauptsächlich Asien, die USA, Japan und Afrika. In den 1960er Jahren lichtete er Fidel Castro auf Kuba ab und fotografierte während des Vietnamkriegs in Süd- und Nordvietnam. In Washington entstand 1967 während einer Kundgebung Ribouds wohl bekanntestes Bild, das noch heute als eines der eindrücklichsten Antikriegsfotos zählt. „The Ultimate Confrontation: The Flower and the Bayonet“ zeigt die Studentin Jan Rose Kasmir, die mit eine Blume in der Hand vor einer Reihe von Soldaten steht. Es wurde nicht nur zum Symbol einer weltweiten Antikriegsbewegung, sondern repräsentiert auch die persönliche Haltung des Fotografen als Humanisten und Friedensbotschafter, dessen Fotos, wie er selbst sagt, die Welt zwar nicht verändern können, sie aber aber abbilden, während sie sich verändert.

Riboud, der 2016 im Alter von 93 in Paris verstarb und dessen Bilder in allen namhaften Magazinen wie LIFE, GEO, National Geographic, Paris Match und dem Stern erschienen und der mit zahlreichen internationalen Auszeichnungen bedacht wurde, scheint hierzulande bisher kaum bekannt zu sein. Eine kleine Werkschau wurde in Deutschland erstmals kurz nach seinem Tod in Berlin gezeigt. Nun zieht das Suermondt-Ludwig-Museum – als erstes deutsches Museum – mit einer groß angelegten Retrospektive nach. Sie umfasst circa 140 Fotos, darunter selbstverständlich auch Ribouds bekannteste. Ich bin mir sehr sicher, dass etliche seiner Fotos bei vielen, zumindest aber bei vielen der über Vierzigjährigen, noch im Gedächtnis sind.

Marc Riboud – Meine Bilder sind Notizen
06.10.2018 bis 06.01.2019
Eröffnung: Fr, 05.10.2018, 19:00 Uhr
Suermondt-Ludwig-Museum

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