Beide Arme der Gäste schnellen in die Höhe und winken wild – frenetischer, geräuschloser Applaus nach der Premiere von „Mordsspaß“ im Space. Dass auch Klatschen und „Zugabe“-Rufe zu hören sind, liegt an den hörenden Besuchern, die ein Drittel der Zuschauer an diesem Abend ausmachen.
Gerda Lachmann, seit 2016 Leiterin des Kurses „Schauspiel in Gebärdensprache“ an der Theaterschule Aachen, ist zufrieden mit der gelungenen Premiere im gut gefüllten Space im Ludwig Forum. Vor zweieinhalb Jahren hat die Logopädin, die an der Theaterschule als Sprecherziehungsdozentin arbeitet, die inklusive Theatergruppe ins Leben gerufen, 2017 gab es mit dem „Sommernachtstraum“ die erste Inszenierung in Aachen. Seit April dieses Jahres hat die aktuelle Gruppe, bestehend aus sieben hörgeschädigten und sechs hörenden Teilnehmern, das Stück einstudiert.
Was unterscheidet eine Aufführung eines Theaterstücks für hörgeschädigte Menschen von einer herkömmlichen Vorstellung?
Die Performance müsse sehr statisch sein, erläutert Lachmann. Die Schauspieler stehen in einer Reihe zum Publikum ausgerichtet, sprechen und gestikulieren sehr deutlich ihren Text – das Stück wurde vorher extra in Gebärdensprache umgeschrieben. Bühnenbild und Kostüme lenken wenig ab, sonst würde die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Geschehen abgelenkt. Lachmann weist auf weitere Schwierigkeiten hin, die einem Hörenden gar nicht in den Sinn kommen. Wann haben die Schauspieler, die hinter dem Vorhang stehen, ihren Einsatz? Sie hören nichts vom Geschehen auf der Bühne, müssen also von jemandem angeleitet werden oder den Spielverlauf per Bildschirm verfolgen.
Für das hörende Publikum gibt es im Space eine Vertonung. Gerda Lachmann und Kollegin Diana Margolina sitzen in einem Kasten am Bühnenrand und sprechen mit. Was würde man vom Stück verstehen, wenn man als Hörender mit der Gebärdensprache auskommen müsste? Ein Ehepaar, das streitet, ist in jeder Sprache unverkennbar, eine Unterhaltung über das Mordmotiv bliebe dagegen im Dunkeln. Auch die geräuschlose Gesangseinlage, die für viele Lacher sorgt, wäre dem hörenden Publikum möglicherweise entgangen, hätten Lachmann und Margolina im Kasten sie nicht vertont.
Ein gelungener Abend im Space, den viele Besucher mit einem Gläschen im Foyer ausklingen lassen.

Nach einer kurzen Pause wird es mit der inklusiven Theatergruppe weitergehen. Sie trifft sich immer am Mittwochabend zu Proben in der Barockfabrik. Neulinge und Interessierte sind immer willkommen.

Theaterschule Aachen e. V.
Barockfabrik, Löhergraben 22
52064 Aachen
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