Was Filmlocations betrifft, liegt New York weit vor anderen Metropolen, selbst wenn man die Filme weglässt, die dort spielen sollen, aber ganz woanders gedreht wurden. Besonders fruchtbar waren hier die 70er und 80er Jahre, in denen das Image der Stadt als alles verschlingender Moloch dem Genrefilm unbegrenzte Möglichkeiten gab.

Zum Thema „Wem gehört die Stadt?“ bietet sich da freilich der Gang-Film an, und aus irgendeinem Grunde fiel mir als erstes Beispiel kein Klassiker wie „The Warriors“ ein, sondern „Death Wish 3“ (Michael Winner, 1985), vielleicht weil hier alles so herrlich überzogen ist. Eine Gang von Punks, die – wie im Mainstream-Entertainment dieser Dekade üblich – weder vom Aussehen noch vom Verhalten her viel mit echten Punks gemein haben, terrorisiert aufrichtige Rentner in einem Straßenzug in Brooklyn, bis Charles Bronson vorbeikommt und noch einmal rotsehen darf. Mit seiner Pro-Selbstjustiz-Aussage ideologisch reichlich fragwürdig, kann der Film dennoch bestens unterhalten, einfach weil keiner der Beteiligten irgendwann mal auf die Bremse tritt. Gedreht wurde übrigens größtenteils in London.

Vielschichtiger ist da „Wolfen“ (Michael Wadleigh, 1981), in dem uralte Indianerdämonen in Wolfsform das Recht auf ihr Land beanspruchen, was zum frühzeitigen Ableben des einen oder anderen skrupellosen Stadtplaners führt. Außer durch die Story und innovative Spezialeffekte beeindruckt der Film vor allem durch seine Hauptlocation, eine riesige Brache voller Schutt und Trümmer mitten in der South Bronx. Dort wurde eigens für den Film noch eine Kirchenruine errichtet und anschließend wieder abgefackelt. Die ursprüngliche Fassung des Films ging satte viereinhalb Stunden, was die Produzenten nicht ganz so toll fanden und den durch „Woodstock“ bekannt gewordenen Regisseur feuerten. Das zusammengeschnittene Endresultat kann sich aber auch noch sehen lassen.

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