Wer darf in der Stadt wohnen? Die Initiative „Recht auf Stadt“ möchte, dass Bewohner sich einmischen.

Gut ein halbes Jahr vor Eröffnung des Aquis Plaza im Oktober 2015 hat sich „Recht auf Stadt“ aus ebendiesem Anlass zusammengeschlossen. Im Fall des Shoppingcenters wurde ca. 6.000 bis 7.000 m² günstiger Wohnraum abgerissen, der bis 2020 ersetzt werden soll. Doch bereits jetzt wird deutlich, dass die neu geschaffenen Wohnungen sich größtenteils im hochpreisigen Segment befinden, denn lediglich eine Rate von 30 % an günstigen Wohnungen ist laut einer Vereinbarung von Stadt und Investoren „angestrebt“. „In erster Linie geht es darum, dass die Geschäfte gut laufen. Der Wohnraum ist zweitrangig“, so Maria von „Recht auf Stadt“. „Uns geht es um die Frage: Wer darf zukünftig in der Stadt wohnen?“
Die Initiative „Recht auf Stadt“ setzt sich auf Facebook sowie einem Blog dafür ein, Aachenern ein Bewusstsein für die prekäre Wohnungssituation der Stadt zu vermitteln. In Aachen steigen die Mieten rasant – so rasant wie in kaum einer anderen Stadt NRWs (vgl. LEG-Wohnungsmarktreport 2016). Es wird hier in erster Linie auf Tourismus gesetzt. Dementsprechend werden neben Bürogebäuden und Luxuswohnungen vor allem Hotels gebaut. „Wohnraum funktioniert wie eine Ware“, weiß Maria. „Der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist enorm und die Menschen sind bereit, hohe Mieten zu bezahlen, weil es keine Alternative gibt.“ Ein erster Schritt ist es laut Philipp, der sich in seiner Freizeit für die Initiative einsetzt, zu verstehen, dass hier ein Programm abläuft. Es wird Standortpolitik betrieben, denn Aachen wird mit anderen Städten gemessen und im Mittelpunkt steht die Steigerung der Attraktivität.

Da die Stadt von ihrem wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen richtig handelt, ist es wichtig, dass Leute selbst Verantwortung übernehmen. „Die Frage ‚Wie viel von meinem Geld muss ich für die Miete ausgeben?‘ wird oft als ein privates Schicksal angesehen, aber es hängt von der Sozialisationsstruktur ab“, erklärt Maria. „Wir versuchen, die Situation verständlich zu machen, sodass Menschen sich organisieren und wirkungsvoll Forderungen stellen können.“ Somit stehen für „Recht auf Stadt“ vor allem Bildung und Organisation im Vordergrund. Mit einem Stand auf dem letzten Lothringair haben sie versucht, die sogenannte PlanBude aus Hamburg auf die Alfonsstraße zu übertragen, in der ein Wohnblock abgerissen wurde, ohne dass ein konkreter Nutzungsplan ersichtlich ist. Hamburg geht hier mit gutem Beispiel voran. Im Rahmen einer PlanBude können Menschen Ideen und Wünsche einreichen, die nachher beim Bauprozess mit einbezogen werden. So etwas würden sich Philipp und Maria auch für Aachen wünschen.
„Recht auf Stadt“ ist eine unparteiische Initiative. Jeden zweiten Sonntag im Monat findet ab 18:30 Uhr ein offener Stammtisch im Rhizom 115 statt, zu dem alle Interessierten eingeladen sind. Hier kann man sich über „Recht auf Stadt“ informieren, sich mit anderen vernetzen, gemeinsam Filme schauen, diskutieren und Aktionen planen.

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