Als der letzte gute Wind meinen Geburtsort verlassen hatte, bin ich kurz darauf auch getürmt. Ohne das Café Orange gab es nur noch wenige Gründe, in Stolberg zu bleiben. Dieses Café war mein kleines Universum. Hier trafen sich Musiker, Künstler und Träumer; aber auch Verlierer, die entweder noch nicht wussten, dass sie verloren hatten, oder halt friedvoll mit der Situation warm geworden waren. Ich schloss die Türe leise hinter mir zu, als ich ging, und hatte nicht gerade das Gefühl, groß vermisst zu werden. Viel gemacht, wenig Effekte. Der Prophet im eigenen Land … bla … kennt man ja. So kam ich also nach Aachen. Gefühlt eine große Stadt mit hunderten von Möglichkeiten. Fast überall landet man anfangs als staunendes Kind. So schaute ich auch erstmal nur. Erst mit großen Augen, dann verstärkt blinzelnd. Ich brauchte eine Weile, um zu erkennen, dass die wirkliche Schönheit nicht im großen Lauten liegt, sondern sich mehr an den Rändern entdecken lässt. Die Guten halten sich oft versteckt, aber sie machen was. Die Stadt sucht sich aber ihre eigenen Helden. Kann man vereinzelt wohlwollend abnicken oder halt mit einem Kopfschütteln kommentieren. Ist damit die Frage geklärt, wer zur Stadt gehört und wer nicht? Die Frage, wem die Stadt gehört, mag ich gar nicht beantworten. Ich habe schon so viele gesprühte Anarchie-Zeichen gesehen, dass ich manchmal fast glaube, die macht unser Bürgermeister heimlich selbst, um uns ein Gefühl von Unabhängigkeit zu geben. Seit es Airbnb gibt, hat sich das mit den Hausbesetzern sowieso erübrigt. Die neuen Punks zahlen Miete. Dennoch habe ich die Hoffnung auf neue Winde noch nicht aufgegeben. Hier tut sich immer noch viel. Sicher darf man hin und wieder den Kopf schütteln. Mir gehört die Stadt nicht. Aber mit ein paar Tränen rechne ich schon, wenn ich eines Tages mal von hier wegziehe, nach Gummersbach oder nach Tongeren. Und wenn es meine eigenen sind …

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