Städte und Kinofilme gehören auf mehreren Ebenen zusammen. Erstens dienen Städte oft als Kulisse, klar, einige ständig, andere selten, manche nie. Zweitens bündeln sich in Städten die Filmkreativen, drittens befinden sich dort die meisten Kinos. Einen Artikel zum Thema „Stadt und Film“ zu schreiben ist ein sehr weites Feld. Also improvisiere ich einfach mal und schreibe auf, was mir spontan in den Sinn kommt.

Gotham City. Das ist immer das Erste, was mir einfällt, wenn ich an Kinostädte denke. Gemeint ist das Gotham aus den „Batman“-Filmen von Tim Burton, das Gotham also, wo der Nebel so märchenhaft über den Asphalt wabert. Das moderne Gotham von Christopher Nolan wirkt ganz anders. Das erinnert eher an Los Angeles, insbesondere an das L.A. aus „Heat“ von Michael Mann, der eine der besten Straßenschießereien überhaupt zu bieten hat. Von Los Angeles könnte man jetzt flott zu „Stadt der Engel“ oder dessen Original „Der Himmel über Berlin“ springen oder zu „L.A. Confidential“, zu Hollywood, eigentlich überallhin. Alle Wege führen nach, nun ja, ich sag mal nach Gotham City, denn dann kann ich noch kurz was dazu loswerden, nämlich den interessanten Fakt, dass das L.A. aus „Blade Runner“ ursprünglich Gotham City heißen sollte.
Außerdem fällt mir zum Thema Stadtfilme einer der allerersten Filme der Filmgeschichte ein: „Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat“, den Auguste und Louis Lumière im Jahr 1895 gedreht haben. Ja, das ist der Stummfilm, der exakt das zeigt, was im Titel erwähnt wird, und bei dem die Leute damals so fassungslos waren, dass sie, als der Zug auf die Kamera zuraste, in Panik aus ihren Sitzen sprangen. Heißt es. Selbst wenn diese Anekdote nicht stimmt, ist sie einfach zu schön, um sie zu verschweigen.

Besonders faszinieren mich die Städte der Zukunft. Wie „Metropolis“ und diverse Städte aus alten „Star Trek“-Folgen, darunter die Wolkenstadt, in der die Reichen oben ein schönes Leben leben, während die Armen in Minen auf der Planetenoberfläche schuften. Ein häufiges Motiv in dystopischen Städten: Oben hui, unten pfui. Schön ist auch die Werbung, die in Sci-Fi-Städten oft aufblinkt, zum Beispiel der 3D-Hai aus „Zurück in die Zukunft 2“ oder die personalisierten Werbespots aus „Minority Report“.

Ganz spezielle Stadtaufnahmen in Kinofilmen sind immer welche von Straßenecken, Kreuzungen, Parks, die man persönlich kennt. Ich wohne in Neukölln und kenne deswegen fast jede Ecke aus Bucks „Knallhart“. Die Serie „4 Blocks“ wurde direkt in meiner Nachbarschaft gedreht. Einmal war ich in der Hasenheide, da, wo die Grasdealer stehen, und hab abends „Dealer“ von Thomas Arslan gesehen. Der fängt auch damit an, dass ein Dealer in der Hasenheide steht. Das hatte was, das direkt hintereinander zu sehen.

Ich hab mal gehört, dass der Eiffelturm das meistgefilmte Motiv überhaupt ist. Gut möglich, denn es gibt nur sehr wenige Filme, die in Paris spielen und das Wahrzeichen nicht ins Bild setzen. Schöner finde ich es jedoch immer, wenn auf die oft gesehenen Postkartenmotive von der Brooklyn Bridge und Co verzichtet wird. Wenn Filme andere Stadtansichten zeigen, die versteckten und geheimen, die weniger offensichtlichen.

Zuletzt möchte ich ausdrücklich Hongkong erwähnen. Eine Stadt, die ich nie besucht habe und die ich nicht unbedingt besuchen will, die ich aber dank der Filme von John Woo, Johnnie To und Co gefühlt in- und auswendig kenne. Ich hab eine Ahnung davon, wie es sich anfühlt, in Hongkong an einer Straßenecke zu stehen oder Nudelsuppe zu essen, wie es dort riecht und wie die Menschen aussehen, wenn sie an der Ampel stehen. Danke dafür, Kino!

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