„Später“ gilt für Nikos Geropanagiotis und Mano Koch-Geropanagiotis nicht. Sie sind Macher, die Ideen gleich umsetzen. Die beiden Kunstsammler aus Leidenschaft haben sich mit dem Label „Later is now“ in den Kopf gesetzt, niederschwellige Zugänge zur Kunst zu etablieren. Wie gut ihnen das gelingt, zeigt ihr größter Coup, die Artconnection in Aachen. Sie lockte im vorigen Jahr 5.500 Besucher an. Das ist die Benchmark für die Show im Oktober. Finanzielle Interessen haben die Betreiber dabei nicht – die Erlöse aus dem Kunstverkauf gehen zu zwei Dritteln an die Künstler und zu einem Drittel an Maria im Tann – Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe.

Nikos Geropanagiotis und Mano Koch-Geropanagiotis betreiben eine crossmediale Marketingagentur in Aachen. Außerdem sind sie leidenschaftliche Kunstsammler. Wenn sie nicht arbeiten, besuchen sie Ausstellungen weit über Aachen hinaus und decken sich gerne mit weiteren Kunstwerken ein. Werke von Annette Reichardt und Stewens Ragone aus Wesseling gehören dabei schon lange zu ihren Ankäufen. Reichardt und Ragone haben sich darauf spezialisiert, gemeinsam zu malen, und sind damit sehr erfolgreich. Sie leben von ihrer Kunst und stellen in vielen Zusammenhängen aus. Nikos Geropanagiotis und Mano Koch-Geropanagiotis stehen auf der Liste der Gäste, die immer wieder zu ihren Ausstellungen gebeten werden.
So eine Einladung führte die beiden Aachener eines Tages zur Artconnection nach Köln. In kleinem Rahmen wurden Kunstsammler eingeladen, Kunst zu shoppen. 40 Künstler boten je bis zu neun Werke auf einer ein Quadratmeter großen Fläche an. Wer kaufen wollte, konnte sein Kunstwerk direkt mitnehmen. Vom Erlös gingen zwei Drittel an den Künstler und ein Drittel an einen wohltätigen Zweck.
Das Ehepaar Geropanagiotis war so angetan von dem Konzept, dass es umgehend nachfragte, ob es für einen größeren Rahmen für Aachen adaptiert werden dürfe. Es durfte, und so gibt es seit 2015 auch bei uns die Artconnection. Ein witziges Detail am Rande: Annette Reichardt und Stewens Ragone, die schon mehrfach in Köln dabei waren, haben sich auch für die Aachener Veranstaltung beworben. Tatsächlich gehören sie zu den wenigen Künstlern, die von der Jury auch in diesem Jahr, folglich zum dritten Mal, ausgewählt wurden.

„Erstaunlich fremd“ | Reichardt/Ragone

Echte Schnapper: Einige Werke das Dreifache wert

Nikos Geropanagiotis freut das ganz besonders, denn die Werke der beiden Künstler aus Wesseling werden normalerweise für den dreifachen Preis verkauft. Das Gleiche gilt für die Werke von Gunilla Jähnichen aus Berlin. Ihre Werke sind bereits mehrfach prämiert und schmücken die Sammlungen großer Kunstkenner. Oft sind sie bereits vor der Ausstellungseröffnung verkauft. In Aachen werden die Besucher also die Chance haben, „echte Schnapper zu machen“, so Nikos Geropanagiotis.
Erstmals dabei ist diesmal die Aachener Künstlerin Claudia Breuer. Sie hat sich mit ihren morbiden Werken, oftmals Installationen mit toten Mäusen, Insekten oder Eintagsküken in Kostümen, einen Namen über Aachen hinaus gemacht. Die Artconnection hat sie bisher nur aus der Ferne beobachtet, war sich nicht sicher, ob es dort nur um hübsche, dekorative Kunst geht und was die Jury zu ihren Werken sagen würde. Fast verwundert war sie, als sie bei ihrer ersten Bewerbung direkt ausgewählt wurde. Die Artconnection nutzt sie als Chance, einmal ihre zweidimensionalen Arbeiten im Format 18 x 24 cm zu zeigen, kann sich aber auch vorstellen, mehrfach umzudekorieren.

„Mutti Ratte“ | Claudia Breuer, Aachen

Jury wählt aus 135 Bewerbungen

Wer in der Ausstellung dabei ist, darauf haben die beiden Veranstalter keinen Einfluss. „Es bestünde sonst die Gefahr, dass wir unsere Lieblinge durchwinken, die wir selber sammeln“, so Geropanagiotis. Deshalb wird jedes Mal im Vorfeld eine unabhängige Jury benannt, die die Teilnehmer per Punktesystem bewertet. Die Jury war diesmal mit Kennern aus dem Dreiländereck besetzt: Frank-Thorsten Moll (Direktor des IKOB – Museum für Zeitgenössische Kunst, Eupen), Marieke Severens (Kunstberaterin, Maastricht) und Dr. Dirk Tölke (Kunsthistoriker und Dozent, Aachen) bewerteten per Voting im Netz unabhängig voneinander die Künstler. Nachdem sich 2015 schon 70 Anwärter auf 40 Plätze beworben hatten, waren es in diesem Jahr doppelt so viele. Die Absagen zu erteilen ist laut Geropanagiotisʼ Aussage der einzige Part der Ausstellung, der ihm nicht gefällt.

Gunilla Jänichen, Berlin

Die Besucher erwartet auch in diesem Jahr wieder eine große Auswahl an Ölmalerei, Zeichnungen, Skulpturen, Mixed Media und Streetart. Was gefällt, kann für 210 Euro direkt eingepackt werden. Wer Bedenken hat, am letzten Tag eine leere Ausstellung besuchen zu müssen: Dem ist nicht so, denn die Künstler dürfen die leeren Plätze ihrer Präsentationsfläche neu behängen. So kann bis zum Schluss ver- und eingekauft werden.
Über die Erlöse können sich dann alle freuen: Die Künstler, die mit zwei Dritteln ihrer Verkaufssumme nach Hause gehen, und Maria im Tann – Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, das ein Drittel der Verkaufssumme als Spende erhält. Die Einrichtung, die in zahlreichen Wohngruppen Kinder und Jugendliche betreut, die nicht in ihren Familien leben können, benötigt das Geld beispielsweise, um Hobbys (zum Beispiel im kreativen Bereich) der Kinder zu finanzieren, da solche Leistungen nicht vom Jugendamt abgedeckt werden. Die 18.000 Euro, die bisher bei den letzten beiden Artconnections zusammengekommen sind, waren also hochwillkommen. Eine Win-win-Situation für alle.
Das Ehepaar Geropanagiotis, das rund anderthalb Jahre für die Vorbereitung einer Artconnection benötigt, arbeitet dabei komplett ehrenamtlich. Sie freuen sich, dass ihr Plan aufgeht, so viele Menschen für Kunst zu begeistern und zusammenzubringen. „Gefühlt ist das Wort ,danke‘ das meistgesprochene Wort auf der Artconnection Aachen. Wir finden es prima“, geben die beiden zu Protokoll.

Artconnection – Eröffnung 2017

Artconnection Aachen
Kunstmarkt und Guter Zweck in der Aula Carolina, Aachen
Kunst direkt zum Mitnehmen
artconnection-aachen.de
facebook.com/Artconnection.Aachen

Mit: Thomas Bauer, Claudia Breuer, Nicolas Dupont, Katrin Engel, Henrich Förster, Cora Freimann, UTA Göbel-Groß, Claudia Grünig, Wolfgang Haack, Zandra Harms, Alex Heil, Hubert Heinrich, Susanne Helmert, Sabine Jacobs, Gunilla Jähnichen, Natja Jander, Annette Jellinghaus, Sabine Kisvari, Philipp Klein, Alexander Kreus, Sabine Lenz, Nadine Liesse, Roswitha Mecke, Marco Moll, Stephan Ortmanns, Susanne Patzke, Jens Peters, Alexander Preuss, Stephan Pusch, Annette Reichardt & Stewens Ragone, Alfred Reuters, Nicole Röhlen, Jana Rusch, Sabrina Schelker, Daniela Schneider, Ela Schwartz, Paul Sous, Akos Sziraki, Judith Wermter, Anne Werner

Eröffnung: Fr, 26.10., 19:30 Uhr
Sa, 27.10., 11:00-18:00 Uhr
So, 28.10., 11:00-17:00 Uhr

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