Wo verlaufen die Grenzen des guten Geschmacks? Darf man über oder gar mit Hitler lachen?


Foto: Achim Bieler

Das DAS DA Theater inszeniert „Er ist wieder da“ nach dem Bestseller von Timur Vermes. Vorstellungen sind nahezu ausverkauft. Es gibt noch zwei Zusatztermine.

Ein schmächtiger, uniformierter Mann mit markantem Schnäuzer steht verloren inmitten des Holocaust-Mahnmals in Berlin. Als wäre er 73 Jahre eingefroren gewesen, erwacht Adolf Hitler (Klaus Beleczko) wieder zum Leben. Gleichzeitig wird eine Touristengruppe durch das Mahnmal geschleust. Die Touristen wirken, als würden sie Teil eines Pflichtprogramms erledigen und die Stadtführerin rattert ihren Infotext empathielos herunter. Die Eingangsszene bildet die Folie, auf der das Stück entwickelt wird. Das Bühnenbild (Frank Rommerskirchen) bleibt, aber seine Funktion zu mahnen gerät bezeichnenderweise mehr und mehr in den Hintergrund.
Hitler ist in einer neuen Welt gelandet, die er schnell analysiert – er liest alle Zeitungen, beschäftigt sich mit dem „Internetz“ und erkennt im Fernsehen ein ideales Propagandamittel. Die Menschen, auf die er trifft, reagieren begeistert und wenig kritisch, weil sie annehmen, dass er ein Schauspieler ist, der seine Rolle konsequent durchzieht. Schnell wird er von einem Medienunternehmen unter die Fittiche genommen. Er entpuppt sich aufgrund seiner verblüffenden Authentizität als das Medienereignis schlechthin. Das Publikum wird bei dem Ganzen zum Mitwisser. Es weiß um die Tatsache, dass Hitler wirklich Hitler ist. Dadurch entstehen in Dialogen ständig Doppeldeutigkeiten, die lustig und gleichzeitig perfide sind.
Auch wenn in der ersten Hälfte des Stücks ausgiebig Kapital daraus geschlagen wird, dass Hitler als Zeitreisender sich erstmal zurechtfinden muss und so einige komödiantische Situationen entstehen, wird er nicht als lächerliche Figur dargestellt – obwohl er äußerlich und im Auftreten schon fast wie eine Chaplin’sche Parodie wirkt. Vielmehr wird er als intelligenter Manipulator gezeigt, der die neuen Medien zu seinen eigenen Zwecken nutzt. In der zweiten Hälfte überschlagen sich die Ereignisse, die Handlung wirkt dadurch etwas unstrukturiert.
Letzten Endes ist das Stück vor allem eine Kritik an der Medienlandschaft, die aus Sensations- und Quotengier zu fragwürdigen Mitteln greift. Gleichzeitig zeigt es, wie – momentan so aktuell wie nie – rechtes Gedankengut und rechte Rhetorik salonfähig gemacht werden, was eigentlich ein Tabu sein sollte. Als gegen Ende die Darsteller die erste Strophe der Nationalhymne schmettern, hat man unwillkürlich einen Kloß im Hals.

Er ist wieder da
Das Da Theater
Inszenierung: Tom Hirtz
Mit: Klaus Beleczko, Felix Freund, Maciej Bittner, Regina Winter, Tine Scheibe, Mehdi Salim, Anke Jansen
Weitere Termine: bis 11.12.2018
Die Vorstellungen sind nahezu ausverkauft.
Zusatztermine: 14., 15., 18., 19., 20. Dezember, jeweils um 20:00 Uhr

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