Milch kann in Filmen als Symbol für Unschuld gelesen werden – einerseits, weil das Getränk mit Kindern assoziiert wird, andererseits wegen seiner weißen Farbe. Wenn erwachsene Männer auf der Leinwand Milch trinken, ist meist Vorsicht geboten.

Oder vielleicht auch nicht? Das berühmteste Milchglas der Filmgeschichte findet sich in Alfred Hitchcocks „Suspicion“ (1941). Hier befürchtet Joan Fontaine, von ihrem Ehemann Cary Grant ermordet zu werden, und ist sich ziemlich sicher, vergiftete Milch serviert zu bekommen. Damit der Zuschauer in dieser Sequenz auch wirklich auf die Milch schaut, hat der Regisseur extra eine Lampe im Glas platziert. Ob Mr. Grant nun tatsächlich ein Mörder ist, erfährt das Publikum freilich erst am Ende – welches Mr. Hitchcock der leidigen Produzenten wegen leider umändern musste.

Nicht ganz so gesittet konsumiert wird das Getränk in Stanley Kubricks „A Clockwork Orange“ (1971) – hier treffen sich Alex und seine Droogs in der Korova-Milchbar, bevor sie allerlei Ungemach anrichten. Die Anthony-Burgess-Verfilmung hatte starken Einfluss auf die Skinhead-Subkultur, das mit dem Milchtrinken hat sich dort aber nicht so ganz durchgesetzt.

Eine der unschönsten Szenen von Milchkonsum findet sich in „Combat Shock“ (1984). Zwar ist Buddy Giovinazzos düsteres Drama um einen Vietnam-Veteran, der sich in einer durch und durch korrumpierten Gesellschaft nicht mehr zurechtfinden kann, nicht gerade arm an unschönen Szenen, der meiste Splatter verblasst aber gegen den Moment am Ende, als der Protagonist ungerührt eine Tüte offensichtlich längst abgelaufener, verklumpter Milch austrinkt. Das mag dann freilich auch symbolisch gemeint gewesen sein.

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