„Totenstille über Mossul“ – Hilfsaktion des Aachener Zeitungsverlages & unicef


Manfred Kutsch, ehemals Chef der AZ-Lokalredaktion und seine Frau Silke Fock-Kutsch unterstützen seit über 20 Jahren die gemeinsame Hilfsaktion von unicef und Zeitungsverlag Aachen. Von 26 Reisen in Krisengebiete haben sie eindrucksvolle Berichte und Fotos mitgebracht und zu Spendenaktionen aufgerufen. Heute Abend hatten sie in den Zeitungsverlag eingeladen und berichteten in einem einstündigen Fotovortrag über Eindrücke aus Mossul.

Eine der bewegendsten Touren sei dies laut Manfred Kutsch gewesen. Auf der achttägigen Reise unter allerhöchsten Sicherheitsvorkehrungen – an keinem Ort durfte das Team länger als 30 Minuten verweilen, um sich nicht zum Ziel eines Anschlags zu machen – besuchten sie Familien in der komplett zerstörten Stadt. Die zweitgrößte Stadt des Irak, einst florierende Metropole, Kultur- und Universitätsstadt, wurde unter der Herrschaft des IS komplett zerstört. Übriggeblieben ist ein Trümmergebiet, in dem 10.000 bis 40.000 Zivilisten den Tod fanden; bis heute sind nicht alle Leichen geborgen. Krankenhäuser sind zerstört, etwa 60 mangelernährte und unversorgte Kinder sterben bis heute pro Monat. Dennoch wünschen sich die Familien in umliegenden Flüchtlingscamps nichts mehr, als zurückzukehren und ihre Häuser wieder aufzubauen.

Totenstille liege über Stadt, so Kutsch. Totenstill ist es auch im Saal, wenn Bilderstrecken auf die Leinwand projeziert werden. Unvorstellbares bekommt das Publikum zu sehen. Nicht nur Trümmer – und Familien, die in einem zerstörten Raum hausen –, sondern auch Bilder einer Szene, bei der einem der Interviewpartner die Hand amputiert wird – er hatte den Fehler begannen, den Sohn eines IS-Funktionärs zur Zahlung von Schulden aufzufordern.
Der Vortrag wird beendet mit Porträts einer Anzahl von Kindern, denen die zahlreichen Hilfsaktionen von unicef zugute kommen. 80 Schulen hat die Hilfsorganisation inzwischen wiedereröffnet sowie Freizeitprogramme für Kinder organisiert, um sie von ihren schweren Traumata abzulenken. Geld und weitere Maßnahmen fehlen überall. Deshalb der Spendenaufruf.

Langanhaltender Applaus für die Arbeit von Manfred und Silke Kutsch am Ende des Vortrags. Im Publikum befinden sich auch fünf junge Männer aus Mossul – Manfred Kutsch erklärt, dass er nach dieser Reise beides besser verstehe: den Wunsch der Familien, ihre Heimat wieder aufzubauen, aber auch die Entscheidung von Menschen zu fliehen und zu versuchen die zerstörte Heimat hinter sich zu lassen.

Link zur Serie:
Teil 1: Als ein Scharia-Richter ihr Leben veränderte
Teil 2: Ein Ort, um den Krieg zu vergessen
Teil 3: Verwesungsgeruch ist der ständige Begleiter
Weitere Berichte von Manfred Kutsch und Silke Fock-Kutsch folgen

 

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