Neu: Jazz im Bunker

Jazz im Bunker

Foto: Jochen Windgasse

Nun also Jazz im Musikbunker. Und was für welcher! Der sowieso für sein vielfältiges und manchmal schräges Programm bekannte Betonklopps in der Rehmanstraße legt eine Schippe drauf und präsentiert ab sofort in quasi regelmäßiger Form mit seiner Reihe „Jazz im Bunker“ wenigstens einmal im Monat die Musik mit der unübersichtlichen Anzahl von Harmonieen, die ja immer wieder totgesagt wird, sich aber seit geraumer Zeit wieder erfreulich aufrappelt und erneuert. Das ist gut für Gemüt & Ohr und lockt vielleicht auch den ein oder anderen Breitcordhosenträger in die dystopische Betonzentrale. Aber ebenso wird mit der Auswahl der Künstler an das etablierte Bunkerklientel gedacht, denn der Fokus bei der Gestaltung der Reihe liegt eindeutig auf der Präsentation neuer Strömungen und in jeder Hinsicht aktueller Bands aus der zweiten – manchmal aber auch der ersten (dazu später mehr) Reihe. Neben nationalen und mehr oder weniger internationalen Bands der gehobenen Mittelklasse ist angedacht auch in der Region nachwachsende Musiker und Combos auf die Bühne zu hieven.

Ziemlich schnell nach Beginn der Reihe im Dezember kommt schon im Februar 2019 mit John Scofield ein Künstler in den Bunker, der in allerbester Manier den Geist von „Jazz im Bunker“ repräsentiert, der alte Mann mit dem lustigen Instagramaccount ist ein veritabler Weltstar, der mit seiner Musik seit Jahrzehnten aufregend, korrosiv-frisch und hipp klingt. Der Bart klebt ihm nur am Kinn, der ganze Rest war und ist bis heute musikalisch immer ganz vorne mit dabei. Im Jahr 2019 ist Old Man Sco zum ersten Mal in seiner wahrhaft unübersehbaren Karriere, die ihn mit literal allen Großen des Jazz der vergangenen über 40 Jahre hat zusammen musizieren lassen, mit einem Soloprogramm unterwegs. Nur Scofield, seine gerade von Air France verbummelte (und dann glücklich wiedergefundene) Gitarre, eine Klinikpackung Effektgeräte und Verstärker allein auf der Bühne. Eigener Aussage nach kann er sich „an kein einziges Solokonzert von ihm“ erinnern. Das verspricht frisch, großartig und erinnerungswürdig zu werden.

Aber auch vorher wird von schräg bis ambient schon einiges geboten. Den Auftakt am 9.12.2018 macht die deutsch-englisch-türkisch-isrealische Band „Kuhn-Fu“, die ein ganzes Bündel von Einflüssen von Ellington, Brötzmann über Beethoven bis zu orientalischer Musik als stilbildend für ihre Musik nennt und diese in eine Melange aus Postrock, Blues und freier Improvisation verwandelt.
(Anstrengend – aber nun gut.)

Im Januar geht es am 20.01.2019 weiter mit der Gesamtkunstwerk „Drahthaus“ aus Österreich. Die Tonalität hier ist eine deutlich andere – zwar werden auch hier bunt Einflüsse gemischt (was ja im Prinzip immer alle so sagen), interessant hier ist jedoch die Vermischung von analogen und digitalen Sounds. Mit Hilfe von echten Musikinstrumenten, Küchenutensilien und Softwarebrocken aus der Abletonfamilie werden hier im Prinzip ziemlich ambient daherkommende Soundgebilde angerührt. Das kann man sich gut anhören – fluoreszierende Getränke mit Schirmchen wären toll dazu.

Der Februar startet am 05.02.2019 mit „Minua“, einem deutsch-isländischen Trio in der Besetzung Bassklarinette + 2x git, was erstmal sehr anstrengend klingt, aber wirklich wunderbare Soundgebilde zaubert. Auch hier – wir sind beim Jazz – steht der Aspekt der Improvisation sehr im Vordergrund. Da die drei ihr Handwerk gut verstehen wird hier wirklich gut und anspruchsvoll musiziert. In Anbetracht der isländischen Beteiligung an dem Projekt ist auch die notwendige Herzenskälte und Melancholie garantiert.

Direkt im Anschluss erfreut uns dann, wie oben beschrieben, Herr Scofield. Und damit ist auch ein Grundpfeiler dieser Reihe gesetzt – es gibt keine festen Termine – und: wenn jemand aus der ersten Liga der improvisierten Musik für „Jazz im Bunker“ zu haben ist, wird gebucht. So wird es immer Überraschungen geben.

Infos: Musikbunker

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