Meine Kaffeewelt besteht aus Kaffee, der mir schmeckt, Kaffee, der mir nicht schmeckt, und diesem schwarzen, starken Kaffee in den kleinen Tassen. Denkbar ungünstige Voraussetzungen, um sich mit Christian Scholz über Kaffee und Latte Art zu unterhalten. Christian ist passionierter Kaffeegenießer und kennt sich aus. Dass in Aachen in letzter Zeit immer mehr Cafés eröffnen, in denen sich der Kellner oder die Kellnerin als Barista bezeichnen und einem einen kleinen Farn aus Schaum auf den Cappuccino zaubern, findet er super. „Man sieht daran, dass die Leute sich mit Kaffee beschäftigen“, sagt er. Dass das zwangsläufig dazu führt, dass die Qualität besser wird, zweifle ich an, bin aber gewillt, mich überzeugen zu lassen. Der bestellte Testkaffee ist geschmacklich in Ordnung. Wie gesagt, ich mache da kaum Unterschiede. Mein Farn aus Milchschaum sieht ok aus, haut mich aber nicht vom Hocker. Christian bekommt ein Herz, das nur mit Mühe als solches zu erkennen ist. Er räumt ein, dass das nicht Oberliga sei, die Milchschaumkunst sei aber ja nicht die Hauptsache. Viel wichtiger sei der durch kompetente Zubereitung zu erreichende gute Geschmack des Kaffees. Für sowas gibt es tatsächlich Meisterschaften (ich hatte die Annahme nur mal so als Gag eingeworfen), und das entsprechende Werkzeug, respektive die richtige Espressomaschine, braucht man dafür auch. Ich gebe zu bedenken, dass der Kaffee, als er noch nicht in Cups serviert wurde und nicht Americano oder Flat White hieß, auch nicht schlecht war (ein Americano ist ein mit heißem Wasser verdünnter Espresso, ein Flat White ein Cappuccino auf der Basis eines doppelten Espressos, bei dem der Milchschaum mit dem Tassenrand abschließt). Ich sehe ein, dass wir auf der Grundlage das Gespräch auch gleich beenden können.

Die Frage nach dem derzeit besten Kaffee der Stadt bleibt unbeantwortet. „Ist ja auch Geschmackssache“, sagt Christian und verweist darauf, dass es schon alleine deshalb heute eine größere Geschmacksbandbreite gibt, weil die Cafés keine Industrieware verarbeiten, sondern die Bohne von Kleinröstereien beziehen und zum Teil sogar selbst rösten. Dass der Trend beim Kaffee zum Gesamtkunstwerk geht und man somit momentan in Aachen öfter kenntnisreich zubereiteten Kaffee bekommt, räume ich ein. Wer sich keinen Kaffeevollautomaten hinstellt, sondern gewissenhaft in Handarbeit brüht, wird in aller Regel auch was Besseres servieren. Christian und ich sind uns insofern uneinig, als er das alles im Gegensatz zu mir als begrüßenswerte Form von Lifestyle feiert. Jeder, wie er mag. Mir persönlich ist vollkommen egal, ob der Schaum mit dem Tassenrand abschließt oder nicht. Ich liebe hingegen Oma-Cafés, von denen es bedauerlicherweise immer weniger gibt.

Und Latte Art? Geschätzt stellen 90 Prozent aller Motive irgendetwas Florales dar, das jeder Kellner mit etwas Übung hinbekommen sollte. Nice to have, but nothing to write home about. Gut ist zumindest, dass das Latte-Art-Memory (Seite 32/33 in der aktuellen Ausgabe) dadurch ein bisschen schwieriger zu bewältigen ist.

zurück Milch und Malerei
weiter Der MOVIE-Guide zur Milch in Philosophie, Literatur, Kunst und Populärkultur