Geschichte des Ruhrgebiets: Filmarchiv des LWL-Medienzentrums


Sprengung des Gasometers auf der Henrichshütte in Hattingen 1994 | Foto: LWL

Wenn irgendwo auf der Welt bislang unbekannte Sekunden aus Fritz Langs „Metropolis“ entdeckt werden, erscheinen sofort neue, digital restaurierte Editionen des Klassikers – ungezählten anderen Filmwerken wird weit weniger Aufmerksamkeit zuteil. Stattdessen vergammeln kilometerweise Filmrollen in unzureichend ausgestatteten Lagerräumen. Insbesondere kleine oder gar privat produzierte Dokumente haben kaum eine Chance, als rettenswertes Erbe in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Das 1981 gegründete Medienzentrum Ruhr e. V. sprang für Filmproduktionen aus und über Westfalen in die Bresche. Die studentischen Mitglieder wollten eine Gegenöffentlichkeit erzeugen und überspielten Amateurfilme aus der Region auf Videokassetten. Seit dem Tod des Gründungsmitglieds Jörg Keweloh im Jahr 2012 waren die auf einem Dachboden gelagerten Bänder erneut vom Zerfall bedroht. Hier wurde das Filmarchiv des LWL-Medienzentrums aktiv und startete in Kollaboration mit dem MZR und dem LWL-Industriemuseum Henrichshütte eine Rettungsaktion. Seit 2014 wurden über 2.400 Videobänder digitalisiert, strukturiert und in eine Datenbank eingepflegt.

Die ab 1913 entstandenen Filme dokumentieren die Geschichte des Ruhrgebiets aus der Perspektive ansässiger Menschen. Im Mittelpunkt stehen Amateur-Produktionen, etwa eine Doku über die Gasexplosion am 12. Januar 1934 in Plettenberg oder 1976 gehaltene Schülervorträge zum Thema Umweltschutz, zudem etliche Aufnahmen von Ernte-, Garten- oder Schützenfesten in verschiedenen Jahrzehnten, Videos über Integration, Kultur und den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Eine regionalgeschichtliche Fundgrube!

Über ein auf der Webseite filmarchiv-westfalen.lwl.org hinterlegtes Formular können Kopien aus dem Bestand bestellt werden; einige Filmausschnitte stehen auf dem YouTube-Kanal des LWL-Medienzentrums.

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