Timing ist doch alles im Leben: Heute Abend findet im Musikbunker Aachen eine Techno-/House-Party statt – mit dem in diesem Zusammenhang fast schon prophetischen Titel „Krach im Bunker“.
Denn das Thema Lärmschutz in Zusammenhang mit dem Musikbunker steht nicht zum ersten Mal auf der Agenda. Heute entschied das Oberverwaltungsgericht Münster (Aachener Zeitung/Nachrichten berichteten), dass die bisherigen Pläne zur Eindämmung nächtlicher Lärmemissionen seitens der Stadt Aachen und dem Bunker nicht ausreichend seien. Konkret geht es dabei unter anderem um eine rund 30 Meter lange und 3,50 Meter hohe Lärmschutzmauer, die im Eingangsbereich an der Rehmannstraße errichtet werden und die Besucher durch den Frankenberger Park leiten soll. Im Vorfeld war bereits die Option eines alternativen Eingangs auf der Rückseite des Bunkers verworfen worden, da sich dort ebenfalls Gebäude in Privathand befinden, man würde das Problem also nur verlagern, aber nicht lösen. Das OVG Münster befand nun aufgrund eines neuen Gutachtens, dass auch die Mauer nicht ausreichen würde, eine hohe Lärmbelastung im weiteren Umkreis des Bunkers zu reduzieren.
Konkret bedeutet das jetzt, dass es nur noch eine Konzession für Angebote bis maximal rund 140 Besuchern gibt. Das wäre im Prinzip das – vorläufige – Aus für alle größeren Konzerte und vor allem für die Partyreihen, die deutlich mehr Besucher generieren, bis hin zur bisherigen offiziellen Kapazität von 400 Leuten. Allerdings, so der Musikbunker in einer kurzen Stellungnahme auf Facebook, werden aber zumindest kurzfristig die am Wochenende geplanten Veranstaltungen stattfinden! (Heute, Freitag 20:30 Uhr: Kervin Devine, 23:00 Uhr: Krach im Bunker, Samstag 20:30 Uhr: Mark Ernestus’ Ndagga Rhythm Force, 23:00 Uhr: Hasenbunker mit Cari Lekkebusch).

Nachbesserungen am Lärmschutzkonzept möglich – Ideengeber vor!

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es wohl doch noch, denn das OVG hat zu erkennen gegeben, dass eine Rückkehr zur bisherigen Praxis durchaus denkbar sei, wenn in Sachen Lärmschutz nachgebessert werde.
Es stellt sich hier nun berechtigterweise die Frage, welche Maßnahmen dies denn sein könnten, wenn schon eine aufwendige Mauer anscheinend nicht ausreicht. Und auch das nächtliche Publikum im Park ist durchaus sehr heterogen und speist sich beileibe nicht ausschließlich aus feierwütigen MuBu-Besuchern, zumal die Partys mit großem Besucheransturm in der Regel ja nur am Wochenende und vor Feiertagen stattfinden. Für diese Klientel wird der Bunker aber jetzt indirekt in Mithaft genommen.

Gegenseite lässt Kompromissbereitschaft vermissen

Vergessen werden darf in diesem Zusammenhang auch nicht, dass die Klage gegen den Bunker bezüglich der Lärmbelästigung von exakt einer (in Zahlen: 1) Anwohnerin angestrengt wird. Interessant ist, dass von dieser Seite ein Hauch von Kompromissbereitschaft und Pragmatismus anscheinend nicht einmal im Ansatz vorhanden zu sein scheint. Die andere Seite – die Stadt und der Bunker – haben sich dagegen in den ganzen Jahren, in denen der Konflikt schon andauert, mehr als einmal flexibel und lösungsorientiert gezeigt.
Und so wird vorerst ein kulturelles Outlet auf Zwangs-Diät gesetzt, das durch ein sehr diverses und viele Zielgruppen bedienendes musikalisches Programm ein vitaler Player in der Kulturlandschaft und der Aachener Clubszene geworden ist. Vor allem letztere – das darf man an dieser Stelle getrost sagen – ist für eine mittelgroßen Stadt mit einer Viertelmillion Einwohnern mittlerweile nur noch ein schlechter Scherz und ein müder Abglanz vergangener, besserer Zeiten.
Wer also nun eine praktikable, Erfolg versprechende Idee hat, den gordischen Knoten rund um die Lärmbelästigung zu lösen, sollte das den Bunker wissen lassen. Vielleicht winkt dann ja neben Ruhm und Ehre sogar noch ein Physik-Nobelpreis.

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