In momentum veritas

Momentum Theater Aachen

Foto: Marie-Luise Manthei

Momentum im Theater Aachen

Momentum – ein Impuls, eine Wendung, ein Moment, den man ergreifen oder ziehen lassen muss. Der Scheideweg des Lebens, an dem die Zukunft entschieden wird.

Da steht sie, die vielbesungene und mystifizierte starke Frau hinter dem starken Mann, da steht Ebba und kämpft, wie nicht anders zu erwarten, mit allen Mitteln für ihren Gatten. Meinrad Hofmann, von der Depression heimgesuchter Regierungschef, steht am Abgrund. Der wilde Cocktail aus diversen Psychopharmaka fordert seinen Tribut, von der einstigen Hoffnung des Landes ist nur ein Wrack übriggeblieben. Aber aufgeben ist keine Option, nicht für Ebba, nicht nachdem sie ihr Leben für diesen Mann geopfert hat. Nicht mit einem Rucksack voller Ideale und Zukunftsvisionen.
Abgesehen von ein paar sprachlichen Entgleisungen, die an Klischees kaum zu überbieten sind und die dennoch von den Akteuren meisterlich interpretiert werden, beeindruckt das Stück mit einem spannenden Zwiebelprinzip. Je mehr sich die Figuren im Laufe des Stückes entblättern und so die Fassade zum Einsturz bringen, desto schmerzhafter wird es, desto mehr Tränen fließen. Dabei versteht es Regisseurin Jenke Nordalm, das Brodeln hinter den Kulissen der politischen Bühne und die persönlichen Schicksale der Menschen, die einen neuen Weg, einen Ausweg suchen, als eine wohltemperierte, fast leise Geschichte zu inszenieren. Die wenigen Entladungen erschüttern dabei wie ein Donner die Bühne. Sogar das Erscheinen des totgeborenen Kindes, ein Interludium, das nur für Ebba sichtbar ist und durchaus Bizarres hat, fügt sich nahezu kitschfrei in den Erzählstrang.

Neben der hervorragenden Leistung der Akteure, die sowohl die zarten wie die lauten Töne mit großer Leuchtkraft darbieten, überzeugt das starke Bühnenbild von Vesna Hiltmann. Ein Türchen-auf-Türchen-zu-Spiel auf einer neuen (ästhetischen) Ebene und von großer Aussagekraft. Ein starkes Stück Wirklichkeit!

Momentum von Lot Vekemans
Theater Aachen, Kammer, Inszenierung: Jenke Nordalm, Bühne und Kostüme: Vesna Hiltmann
Premiere 11. Januar 2019

 

 

 

 

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